Loburg (dpa) l Tierdrama im Doppelpack: Zwei Störche, die im Storchenhof Loburg (Landkreis Jerichower Land) derzeit wieder aufgepäppelt werden, haben jeweils bei Unglücken ein halbes Bein verloren. Um auch diesen Vögeln ein Überleben zu ermöglichen, wird über eine Beinprothese nachgedacht. „Es sind ganz verschiedene Optionen im Gespräch“, sagte der Geschäftsführer des Storchenhofs, Michael Kaatz, am Montag. Die Stützen könnten etwa aus einem Titanstab angefertigt oder mit einem 3D-Drucker hergestellt werden.

Prothesen aus dem 3D-Drucker

Der spezielle Drucker schichtet dabei Material wie etwa Kunststoff übereinander, bis ein dreidimensionaler Gegenstand entsteht. Anschließend müssten die künstlichen Prothesen befestigt werden, so Kaatz. Dazu könnten Magnete in den Knochen eingesetzt oder eine Art Hautkleber benutzt werden. Eine weitere Option ist eine Operation am Beinstumpf. Die ersten Vogelfreunde haben laut Kaatz ihre finanzielle Unterstützung angeboten. Noch ist unklar, wie teuer die Prothesen werden. Frühestens in zwei Wochen treffen Experten eine Entscheidung.

Die Tiere stammen ursprünglich aus Görsbach in Thüringen und Griebo bei Wittenberg. Einer der Störche schnürte sich vermutlich an einer Angelschnur das Bein ab. Der andere kollidierte mit einem Strommast. Nach den Unfällen päppelte die Auffangstation in Loburg die Vögel wieder auf. Ein Tierarzt hatte vergangene Woche seine Zustimmung zu einer weiteren Behandlung gegeben.

Tierarzt muss über Operation entscheiden

Derzeit sind 17 Störche auf dem Hof im Jerichower Land. „Grundvoraussetzung ist, dass der Tierarzt entscheidet, ob eine Prothese bei einem Wildvogel überhaupt möglich ist“, so Kaatz. „Unabhängig davon müssen die Vögel erst wieder zu Kräften kommen.“ Denn erst seit einigen Tagen ist der – vermutlich weibliche – Storch aus Görsbach (Thüringen) in Loburg. Der etwa vier oder fünf Jahre alte Vogel hatte in einem Nest auf einem Haus ein Junges gebrütet. Per Kamera entdeckten Nestbetreuer das Drama und brachten den Storch nach Sachsen-Anhalt in die mit kranken Tieren erfahrene Vogelschutzwarte. „Der Storch hatte sich vermutlich auf einem Gewässer in einer Angelschnur verfangen und sich dann damit den Fuß abgeschnürt“, schildert Kaaz. Der zweite Storch aus Griebo (Landkreis Wittenberg) war mit einem Zeh am Strommast hängengeblieben und hatte sich dabei das Bein so schwer gebrochen, dass es amputiert werden musste.

Die Loburger Vogelschutzwarte gibt es seit 1979. Rund 1700 Störche wurden seither aufgenommen. Sie wurden zum Großteil durch Unfälle verletzt. „70 Prozent konnten wieder ausgewildert werden, 20 Prozent sind Dauerpatienten geblieben, 10 Prozent gestorben oder mussten eingeschläfert werden, um sie von ihrem Leid zu erlösen“, bilanziert der Geschäftsführer.