Magdeburg l Nachdem das Amtsgericht Burg kürzlich einen der größten Schweinezüchter Europas zu einer Haftstrafe von acht Monaten, zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, verurteilt hatte, ließen sich die Magdeburger Ermittler in die Karten gucken. Hintergrund des Plauderns aus dem kriminalistischen Nähkästchens war, dass mit dem Urteil gegen Adianus Straathof in dessen Anlagen etwa eine Millionen Ferkel pro Jahr produziert werden, zum ersten Mal ein Betreiber wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wurde.

„Sechs Jahre haben die Ermittlungen gedauert“, umschrieb Kriminalhauptkommissarin Annett Bormann gestern den Umfang der Ermittlungen gegen den „Schweinebaron“ im Jerichower Land.

Bereits 2013 habe es Anzeigen gegeben, dass der heute 64 Jahre alte Holländer während der drei Jahre zuvor kranke Tiere nicht versorgt und Sauen in nicht tierschutzgerechten Kastenständen untergebracht seien.

60 Ermittler, darunter 25 Polizisten, hätten daraufhin den rund acht Fußballfelder großen Betrieb in Genthin-Gladau akribisch unter die Lupe genommen. „Die sechs Kontrollteams schauten sich 12 000 Sauen und 40 Ferkel genau an, etwa 80 Prozent des Tierbestandes. Bis zu zehn Stunden am Tag“, so Bormann. Dieser große Aufwand sei deshalb nötig gewesen, weil jeder einzelne Fall eindeutig und gerichtsfest dokumentiert werden müsse.

871 Sauen krank

Viele der Tiere seien in völlig unzulänglichen Kastenständen regelrecht eingepfercht gewesen. Und um die Gesundheit der Schweine sei es ebenfalls sehr schlecht bestellt gewesen. „871 Sauen und 133 Ferkel waren krank. Sie lahmten, hatten offene Wunden, Abszesse oder Infektionen.“ Aus den Unterlagen der Aufzuchtanlage sei nicht hervorgegangen, ob und wenn ja wie die kranken Tiere behandelt wurden. „Selbst für Laien ist sichtbar gewesen, dass Tiergesundheit in dem Genthiner Ortsteil ein Fremdwort war.“

Hinzugezogen worden seien zwei Veterinär-Professoren, die die Ermittlungsunterlagen mit auswerteten. „Insgesamt kamen wir auf fünf Aktenmeter, darunter ein 164 Seiten langer Abschlussbericht, 33 Beweismittel- und 29 Sonderbände“, so Frank Held, Kripochef der Polizeiinspektion.

Bevor das Amtsgericht Burg Geschäftsführer Straathof der auch in Demsin, einem Ortsteil von Jerichow, eine Anlage betrieb, verurteilte hatte, setzte das Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt am 4. November 2016 ein Stoppzeichen. Die Verwaltungsrichter untersagten Straathof das Halten von Schweinen – was einem Berufsverbot gleichkam.

Die Anlage in Gladau stand längere Zeit leer. Inzwischen hat sie einen anderen Geschäftsführer.