Magdeburg (dpa) l Die warmen Temperaturen der vergangenen beiden Jahre haben nach Einschätzung der Landesregierung die Ausbreitung von Tierseuchen in Sachsen-Anhalt begünstigt. "Der Klimawandel hat jetzt bereits direkte Auswirkungen auf die Tiergesundheit", sagte Agrar-Staatssekretär Ralf-Peter Weber am Dienstag bei der Vorstellung des Jahresberichtes "Veterinärmedizin 2018" in Magdeburg.

Als Beispiel nannte Weber das West-Nil-Virus (WNV): Nach sechs Fällen im Jahr 2018 wurde das Virus 2019 demnach bei 29 Tieren in Sachsen-Anhalt nachgewiesen. Der Erreger wird von Mücken auf Vögel, Pferde und Menschen übertragen. Die hohen Temperaturen würden einerseits die Ausbreitung von Mücken begünstigen, darüber hinaus aber auch die Vermehrung der Erreger in den Mücken, erklärte Wolfgang Gaede, Leiter des Fachbereichs Veterinärmedizin im Landesamt für Verbraucherschutz.

Für Menschen verläuft eine WNV-Infektion jedoch meist harmlos. Die Symptome seien einer Grippe ähnlich und würden daher oft gar nicht erkannt, sagte Gaede. "Mit Kopfschmerzen geht kaum jemand zum Arzt". Nur rund 20 Prozent der Erkrankten zeigten überhaupt Symptome.

Neben den Tieren an Land und in der Luft werde der Klimawandel auch Fischen gefährlich, sagte Gaede. Forellen etwa bevorzugten Wassertemperaturen von 8 bis 18 Grad. Wenn, wie in den vergangenen Sommern, das Wasser mehr als 20 Grad warm werde, seien die Tiere gestresst und dadurch anfälliger für Infektionen. Für den Karpfen hingegen sei 20 Grad warmes Wasser zwar optimal. Durch hohe Verdunstung und geringe Niederschläge sinke aber vielerorts der Wasserspiegel, so dass Raubvögel die Fische leichter erbeuten könnten.

Auch der globale Warenverkehr erhöhe das Risiko von Tierseuchen, sagte Staatssekretär Weber. Das sei etwa am Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Europa zu sehen. Die Seuche ist in Polen und Belgien bereits ausgebrochen, in Deutschland gibt es bisher keine Fälle. Weber sieht Sachsen-Anhalt darauf gut vorbereitet: So habe die Regierung etwa einen weiteren mobilen Zaun angeschafft und die Untersuchung verendeter Wildschweine gefördert. Die Vorbereitung auf die Seuche habe "höchste Priorität". Ein Ausbruch ist laut Experten aber nur eine Frage der Zeit: "Der Trend ist eindeutig: Die Seuche geht weiter", sagte Verbraucherschützer Gaede.