Bernburg (dpa) l Weniger Trauergäste, häufiger die Übertragung von Reden und Predigten durch Lautsprecher oder gar der Verzicht auf Trauerfeiern – durch die Corona-Pandemie hat sich auch die Kultur der Bestattungen in Sachsen-Anhalt verändert. "Es gibt kleinere Feiern, sie sind weniger familiär, etwas unpersönlicher", sagte Wolfgang Ruland, Obermeister der Bestatterinnung in Sachsen-Anhalt.

Zudem würden mehr Menschen als zuvor komplett auf Trauerfeiern verzichten. Das liege zum einen an der Vorsicht vor dem Virus, zum anderen spiele der finanzielle Faktor eine Rolle. Denn die Ausrichtung der Trauerfeiern ist auch ein Kostenpunkt. "Das bedeutet, dass der Verdienst der Bestattungsinstitute sinkt", sagte Ruland, der selbst ein Unternehmen in Bernburg führt. Dennoch treffe es seine Branche nicht so sehr wie andere, glaubt der Innungsobermeister.

Für den Umgang mit infektiösen Verstorbenen seien die Bestatter schon vor der Pandemie gerüstet gewesen. Allerdings sei der Bedarf an Mundschutzen oder anderer Schutzkleidung jetzt höher – auch weil schon beim Verdacht auf eine Corona-Infektion ein Vollschutz empfohlen werde.

Mehr Menschen im August gestorben

Mehr Todesfälle als in anderen Jahren gibt es nach Einschätzung der Bestatterinnung bislang nicht. Nach Rulands Gefühl seien es sogar weniger gewesen als in den vergangenen zwei Jahren. Auch das Statistische Landesamt spricht bisher von keiner pandemiebedingten Übersterblichkeit, obwohl im August mehr Menschen starben als in den Monaten zuvor. Dies werde ausgeglichen durch weniger Verstorbene Ende Februar und Anfang März.

2019 starben in Sachsen-Anhalt etwa 32.300 Menschen.

Nicht neu ist für die Bestatter die technische Ausrüstung für Trauerfeiern. Bei großen Gruppen seien auch zuvor schon Musik, Reden oder Predigten über Lautsprecher übertragen worden, teilweise bis nach draußen auf den Friedhof. Doch durch die Abstandsregeln und die Begrenzung der Personenzahl komme dies nun deutlich häufiger vor, so Ruland.

Und auch das Trost geben oder Trost finden falle schwerer, wenn Menschen sich nicht mehr so unbedarft in den Arm nehmen wie früher. Insgesamt habe die Bestattungskultur etwas gelitten, sagte Ruland. "Die Veränderung ist hoffentlich nicht irreparabel. Aber sie ist deutlich zu spüren."