Magdeburg (dpa) l Der Karneval in Sachsen-Anhalt steuert auf seinen Höhepunkt zu. Die Zeit der Umzüge auf Straßen und Plätzen steht bevor. Wichtiges und Kurioses über die jecke Zeit im Land:

Mini-Umzug in Gölzau

Mit im Schnitt drei Wagen hat der Karnevalsklub Gölzau (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) einen der kleinsten Karnevalsumzüge in Sachsen-Anhalt. "Es ist immer recht spontan, wer dann noch dazukommt", sagte Vereinspräsident André Meißner. Viel mehr Gruppen seien aber auch gar nicht möglich, schließlich gebe es gar nicht so viele Straßen in dem 1200-Einwohner-Ort. Trotzdem lebe der Verein die Tradition seit seiner Gründung 1955. "Während der DDR-Zeit ist der Karneval ein wenig eingeschlafen, zur Wende wurde der Umzug dann wiederbelebt", sagte Meißner. Der kleine Umzug sei "einfach eine Gaudi" für die Menschen in Gölzau. Einer der größten Umzüge zieht übrigens durch Köthen: Etwa 3000 Mitwirkende, rund 100 Gruppen und 30 Karnevalsvereine kommen dort zusammen.

Karnevalsnachwuchs

Bei den Karnevalsvereinen in Sachsen-Anhalt gibt es kein Nachwuchsproblem. "50 Prozent unserer Mitglieder sind Kinder und Jugendliche – darauf sind wir sehr stolz", betonte Dirk Vater. Als Präsident des Karneval Landesverbandes Sachsen-Anhalt beaufsichtigt er 190 Karnevalsvereine. Vor allem die Tanzgarden könnten sich über stetigen Zuwachs an jungen Menschen freuen. Für Büttenreden und Gesang gebe es seit vier Jahren Workshops, um Kinder an das Brauchtum heranzuführen.

Karnevalshoheiten

Tim Küßner und Julia Markus aus dem Saalekreis sind in dieser Session das Landesprinzenpaar. Acht Wochen lang seien sie jedes Wochenende unterwegs, sagte Julia Markus. "Aber wir machen das für den Spaß. Jedes Mädchen wollte doch einmal Prinzessin sein, so kann man sagen, dass mein Traum wahr geworden ist." Seit drei Jahren sind die 18-Jährige und der 21-Jährige ein Paar und schon lange im Karneval aktiv. "Der absolute Höhepunkt wird natürlich der Rosenmontagszug in Halle", sagte die Landesprinzessin. Bis dahin werden die beiden wohl mehrere tausend Kilometer quer durchs Land gefahren sein: Berlin, Bernburg, Magdeburg und Tangermünde sind nur einige Orte auf ihrer langen Terminliste.

Karnevalsorden

Der einzige Hersteller von Karnevalsorden im Land kommt aus Bitterfeld: Peter Bornemann produziert seit mittlerweile rund 15 Jahren Orden für Karnevalisten. Der Vizepräsident des Karneval Landesverbands ist selbst aktiver Karnevalist, hat Gießereitechnik studiert und schließlich Hobby und Beruf verbunden. "Die Orden sind eigentlich alle auf ihre Art speziell", sagte er. Rund 35.000 Orden und Abzeichen – nicht nur karnevalistischer Art – verkaufe er jährlich nach ganz Deutschland. In Ostdeutschland habe er nur einen Mitbewerber.

Karnevalsrufe

In Sachsen-Anhalt heißt es im Karneval nicht "Alaaf" oder "Helau": So rufen die Karnevalisten in Köthen "Ku-Ka-Kö" als Abkürzung für "Kuh-Kaff Köthen". "Bis etwa 1900 gab es große Rindermärkte rund um Köthen – in dieser Zeit hat sich der Begriff des Kuhkaffs durchgesetzt", sagte Ronald Mormann von der Köthener Karnevalsgesellschaft. Der Narrenruf selbst sei schließlich entstanden, weil sich die Vereinsgründer nicht zwischen "Helau" und "Alaaf" einigen konnten. In Bernburg hingegen schallt es "Lazi Hopp" durch die Straßen. Und das hat eine ganz besondere Geschichte, wie Thomas Leinweber vom Bernburger Karnevalsclub erklärte: "Ein Leutnant hat einmal einen Braunbären aus Russland für den Fürsten mitgebracht." Der Bär wurde "Lazi" genannt und immer, wenn jemand "Hopp" sagte, machte er "Männchen". Daraus entwickelte sich der Karnevalsruf der einstigen "Bärenburg" Bernburg.

Sicherheit beim Karneval

Karnevalsveranstaltungen seien immer wieder beliebt bei Taschendieben, es gebe aber auch Fälle von Raub und Sexualdelikten, teilte eine Polizeisprecherin in Magdeburg auf dpa-Anfrage mit. Vor Taschendieben könne man sich schützen, indem man ohnehin nicht viel Bargeld mitnehme und alles Wichtige in verschlossenen Innentaschen der Kleidung trage. Wer trotzdem eine Handtasche dabeihabe, solle diese am besten unter den Arm klemmen. Um sich vor Übergriffen mit K.o.-Tropfen zu schützen, rät die Polizistin dazu, Getränke immer im Blick zu haben und nicht von Fremden anzunehmen.

Vorsicht bei Kostümen

Zwar gebe es kein "Vermummungsverbot" bei Karnevalsumzügen, trotzdem sollte man sein Kostüm bedacht auswählen, wie die Polizeiinspektionen in Halle und Dessau mitteilten. Beispielsweise sollte man sich als Cowboy eine möglichst unecht aussehende Pistole zulegen. Ob die Polizei die Waffe überprüfe, sei immer eine Einzelfallentscheidung. Vorsicht ist laut der Polizei in Dessau auch dann geboten, wenn man sich als Polizist verkleide. Das "unbefugte Tragen" von Uniformen, Amtskleidungen und Amtsabzeichen stehe nämlich unter Strafe.