Gardelegen l Eine der modernsten Raumschießanlagen der Polizei im Land ist im April vergangenen Jahres in Gardelegen nach zwei Jahren Planung und weiteren zwei Jahren Bauzeit für 1,5 Millionen Euro fertiggestellt worden. Seither nutzten vor allem die Beamten der Polizeiinspektion Stendal die 25 Meter lange und sechs Meter breite Halle zur Schießausbildung mit der Pistole und MPi. Die Bedingungen sind ideal, hieß es damals bei der Eröffnung: Für das Training kann das Licht gedimmt werden. Eine Kamera erkennt die Schüsse und Fehltreffer werden angezeigt. Es gibt unter anderem rückprallsichere Wände und Decken.

Doch nur zwölf Monate später musste die Trainingsstätte Ende April aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Der Grund: Die Projektile durchschlugen das Kugelfangsystem, was so auf keinen Fall vorgesehen war. Sie sorgten dahinter für Schäden an der Lüftungsanlage. Diese soll vor allem die bei den Schüssen abgegebenen giftigen Dämpfe absaugen.

Das Finanzministerium mit dem Bau- und Liegenschaftsmanagement als Eigentümer der Anlage erklärt, dass „inzwischen die Reparaturarbeiten“ anlaufen. Die Schäden an der Lüftung seien „noch reparabel und nur von geringem Umfang“, so Ministeriumssprecher Wolfgang Borchert.

Allerdings müsse das Geschossfangsystem, also der Kugelfang, ersetzt werden. Eine Ausschreibung werde in Kürze erfolgen, hieß es. Der Zeitpunkt für eine Wiedereröffnung bleibt aber offen. „Das ist abhängig von den Lieferzeiten des neuen Geschossfangsystems“, so Borchert weiter. Die Kosten hierfür belaufen sich auf rund 250.000 Euro.

Auf die Frage, wie es überhaupt zu der Zerstörung des Kugelfangsystems kommen konnte, gibt es bislang keine Antwort. Die Untersuchungen dazu laufen.

Falsche Munition verwendet?

Wurde falsche Munition verwendet? Die Polizei sagt nein. Sprecherin der Inspektion Stendal Beatrix Mertens: „Für das Übungsschießen wird ausschließlich für die Schießanlage zugelassene Munition verwendet, die vor Ort ausgegeben wird. Somit kann ausgeschlossen werden, dass unzulässige Munition verwendet wurde.“ Eine weitere Möglichkeit wäre ein Baufehler. Dazu sagt das Finanzministerium: „Regressforderungen gegen den Hersteller wird es vermutlich nicht geben.“ Statt dessen ist die Rede von „geänderten Übungszenarien“ und „anderer Belastung des Geschossfangs.“ Das wiederum bestreitet die Polizei. Sprecherin Mertens: „Wir haben gar nichts geändert.“

Seit der Sperrung trainieren die Beamten vorerst mit Farbmunition und Softairwaffen. Andreas Krautwald, Leiter der Polizeiinspektion Stendal: „Einmal im Quartal müssen die Beamten trainieren. Das ist Vorschrift.“ Deshalb werde man notfalls einen anderen Schießstand anmieten.