Magdeburg l Spätestens seitdem im Januar ein Wolf durch eine Siedlung im Magdeburger Süden streifte, hat die Diskussion wieder an Fahrt gewonnen: Ist der Wolf in Sachsen-Anhalt willkommen? Und wie weit darf der Schutz des Räubers gehen?

Wenige Wochen vor den Europa- und Kommunalwahlen wollte die CDU-Fraktion es genauer wissen. Mit einer repräsentativen Befragung des Instituts infratest dimap bat sie rund 1000 Sachsen-Anhalter um ihre Meinung zum Wolf. Ergebnis: Zwar halten 53 Prozent die Wiederansiedlung des Raubtiers im Land für wichtig. Mehr als 80 Prozent aber sprechen sich gleichzeitig dafür aus, seinen strengen Schutzstatus auf den Prüfstand zu stellen. Eine nicht repräsentative Umfrage mit 5000 Teilnehmern ergab ähnliche Ergebnisse.

Die CDU-Fraktion sieht eigene Positionen bestätigt und leitet Forderungen ab: „Wir brauchen ein vernünftiges Management, um das Sicherheitsgefühl der Menschen zu gewährleisten“, sagte CDU-Agrarexperte Bernhard Daldrup. „Momentan beobachten wir nur und zahlen“ ergänzte Fraktionskollege Detlef Gürth. Laut CDU gibt das Land derzeit jährlich gut eine Million Euro für Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Wolf aus – darunter fallen Personal oder Förderungen etwa für Elektrozäune und Herdenschutzhunde. Angesichts vieler anderer bedrohter Arten sei die Frage nach der Verhältnismäßigkeit zu stellen, sagte Daldrup.

Stark steigende Tendenz der Wölfe

Detlef Gürth betonte, man wolle eine Versachlichung der Debatte. Auch dem von Ministerin Claudia Dalbert (Grüne) geführten Umweltministerium warf er vor, öffentlich zu niedrig angesetzte Zahlen zum Wolfsbestand im Land zu verwenden. Laut CDU gibt es bereits heute 1000 Wölfe in Deutschland mit stark steigender Tendenz. Die Art sei damit längst nicht mehr bedroht. Niedrigere Zahlen der „Wolfslobby“ sollten beschwichtigen, sorgten aber für einen Vertrauensverlust der Bevölkerung.

Die Schlussfolgerung: Gemeinsam mit anderen Landesverbänden will sich die CDU jetzt mit einem Positionspapier an die Bundesregierung wenden. In Brüssel soll diese sich für eine Lockerung des strengen Schutzstatus für den Wolf starkmachen. Daldrup forderte zudem, bei der schon jetzt möglichen Entscheidung über den Abschuss von Problemwölfen neben Behörden auch Betroffene wie Landwirte einzubinden. Die Linke warf der Union Wahlkampf auf dem Rücken einer geschützten Tierart vor. Die Umfrage sei „tendenziös und populistisch“, sagte Umweltexperte Hendrik Lange.

Falsche Zahlen zum Wolfsbestand?

Grünen-Umweltpolitiker Wolfgang Aldag sagte, die Zahlen der Union zum Wolfsbestand seien falsch. Die Dokumentationsstelle des Bundes gebe für 2017/18 lediglich 470 Wölfe an. In Halberstadt kommen ab heute auf Einladung der Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung derweil Jagdverbände und Forscher der Universität Zagreb (Kroatien) zusammen. Unter dem Titel „Der Wolf in Europa – Utopie und Wirklichkeit“ soll es auch um das Wolfsmanagement in anderen EU-Ländern wie Frankreich gehen. Mitausrichter Professor Michael Stubbe ist entschiedener Befürworter der Wolfsregulierung. Der Verein Wolfsschutz Deutschland kündigte für Sonnabend, 13.30 Uhr, eine Gegendemonstration an.

Interessanter Nebenaspekt der Umfrage: Fast ein Drittel der Sachsen-Anhalter traut keiner Landtagsfraktion den richtigen Umgang mit dem Wolf zu. Am besten schneiden mit 19 Prozent noch die Grünen ab, die Union landet bei 11 Prozent.

Kommentar "Regulierung der Wolfsbestände wird kommen" zum Thema.