Magdeburg l Reisebeschränkungen, keine großen Feiern, Maskenpflicht, hohe Staatsausgaben, Schulschließungen: Corona hat das Land durchgerüttelt, seit nunmehr sieben Monaten werden Rechte zum Teil deutlich eingeschränkt. Sachsen-Anhalts Linke wollte wissen, wie die Sachsen-Anhalter darüber denken. Die Landtagsfraktion hat daher eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben. Das Berliner Meinungsforschungsunternehmen Liljeberg befragte Ende September mehr als 1000 Sachsen-Anhalter. Über die Kosten wollte die Fraktion keine Angaben machen. Gestern wurden die Ergebnisse vorgestellt.

Die meisten ertragen die Eingriffe und Beschränkungen offenbar mit viel Geduld. Gut 65 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich persönlich wenig oder gar nicht belastet fühlten. Dennoch sieht die Linke Änderungebedarf: Künftig soll ihrer Auffassung nach der Landtag als Gesetzgeber wieder aktiv werden – erhebliche Eingriffe dürften nicht länger allein von der Regierung verordnet werden, wie etwa das Beherbergungsverbot für Hotels. „Das ist eine unverhältnismäßige Restriktion, die überhaupt nichts bringt“, wie Fraktionschef Thomas Lippmann sagt. Im Gegensatz dazu hält die Linke es für falsch, dass Sachsen-Anhalt als einziges Land kein Bußgeld für Maskenmuffel hat. Solche Themen gehörten künftig ins Parlament, so Lippmann.

Die Bußgeldfrage polarisiert, wie dei Umfrage zeigt: 52 Prozent wollen die Geldstrafe, 48 Prozent finden den liberalen Kurs in Ordnung. Klarer ist das Meinungsbild zum Bildungssystem: 87 Prozent der Befragten hatten dazu eine Meinung; etwa zwei Drittel von ihnen gaben den Schulen keine guten Noten, da diese mit den Herausforderungen der Pandemie nicht gut klarkamen.

In der Corona-Krise steigen die Staatsausgaben. Allein Sachsen-Anhalt muss zusätzliche 500 Millionen Euro stemmen. Wer soll es bezahlen? Fast 62 Prozent meinen, dass vor allem die Reichen über eine Vermögensabgabe zur Kasse gebeten werden sollen. Bei dieser Frage durften aber mehrere Möglichkeiten zugleich ausgewählt werden. So würden jeweils 25 Prozent auch höhere Staatskredite oder die Kürzung öffentlicher Ausgaben akzeptieren. Die geringste Zustimmung (9 %) fanden allgemeine Steuererhöhungen.

Jüngere Menschen schauen kritischer auf die Lage. Nur die Hälfte der 16- bis 26-Jährigen hält die Corona-Beschränkungen für angemessen, wie eine repräsentative aktuelle Studie der Tui-Stiftung ergab. 48 Prozent der Befragten gaben an, dass Politiker in der Pandemie vor allem die Interessen der Älteren vertreten.