Magdeburg (dpa) l Die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen muss aus Sicht von Sachsen-Anhalts Aufarbeitungsbeauftragter Birgit Neumann-Becker noch stärker als Servicestelle für Forschungsvorhaben auftreten. "In der Abteilung Bildung und Forschung werden aus meiner Sicht noch viel zu wenig die Akten in dem Sinne erschlossen, dass sie für Medienanträge und für Forschungsanträge zugänglich sind. Stattdessen wird dort selbst an Themen geforscht. Ich finde, das muss weiter reduziert werden", sagte Neumann-Becker der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg.

"Die Arbeit der Behörde muss doch darin bestehen, dass die Akten – nach bald 30 Jahren – viel besser für Medien- und Forschungsanfragen erschlossen werden", sagte die Aufarbeitungsbeauftragte. "Es erschwert, verzögert und verlängert die Bearbeitung der Anträge und die Ergebnisse. Forscher bekommen nur das, was zufällig schon erschlossen worden ist. Sie kommen oft überhaupt nicht in die Tiefe. Das ist wirklich misslich."

Sachthemen mehr in den Fokus rücken

Neumann-Becker erläuterte: "Die Staatssicherheit hat die Akten personenbezogen geführt. Diese Akten – zur persönlichen Einsicht – in den Außenstellen sind im Prinzip erschlossen. Aber die Erschließung bei den Sachthemen ist noch nicht weit genug fortgeschritten." Das merkten Forscher und Journalisten, wenn sie einen Forschungsantrag stellen. Beispiele seien etwa die Beeinflussung der Jugendhilfe durch die Staatssicherheit oder der Umgang der Staatssicherheit mit Rechtsextremismus oder ökologischen Fragen.

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Bislang müssten solche Themen noch immer über die Personenakten laufen. Stattdessen sei zum Thema Rechtsanwälte in der DDR geforscht worden, das aus ihrer Sicht ein Spezialthema sei, das aber genauso von Wissenschaftlern außerhalb der Behörde hätte bearbeitet werden können. "Das kann nicht die Aufgabe der Wissenschaftler des Bundesbeauftragten sein." Neumann-Becker sagte, ihr gehe es hierbei um den gleichberechtigten Zugang von Wissenschaftlern zu den Akten des MfS.

Entscheidend sei die Kompetenz der Behörden-Mitarbeiter im Umgang mit den Akten, betonte Neumann-Becker. "Deren Aufgabe muss doch sein zu sagen: 'Wir sind hier diejenigen, die mit den Akten umgehen können und wir müssen dafür sorgen, dass andere sie lesen können. Wir erschließen sie, wir stellen sie zur Verfügung.' Das wird schon besser, aber es ist überhaupt noch nicht befriedigend." Sie sei mit ihrer Meinung nicht allein, sagte die Aufarbeitungsbeauftragte für ihre Kollegen und Forscher in den anderen Bundesländern.