Lehrermangel

Unterrichtsausfall in zahlreichen Schulen

Vier Wochen nach Beginn des Schuljahres wächst der Frust über fehlende Lehrer.

Von Hagen Eichler 25.09.2015, 15:03

Magdeburg l Aus vielen Schulen reißen die Klagen über ausfallenden Unterricht nicht ab. So hatten Zehntklässler eines Gymnasiums im Landkreis Börde vier Wochen lang keinen Physikunterricht. Mittlerweile ist auch Sport gestrichen, die Zahl der Mathematikstunden halbiert. Die neunte Klasse eines Gymnasiums im Salzlandkreis hatte zwei Wochen lang keine Stunde Deutsch- und Geschichtsunterricht. Die neunte Klasse eines Gymnasiums im Salzlandkreis hatte zwei Wochen lang keine Stunde Deutsch- und Geschichtsunterricht. An einer Sekundarschule im Altmarkkreis Salzwedel fallen zahlreiche Stunden Biologie, Chemie und Mathe aus.

Vielerorts reicht die Vertretungsreserve nicht aus, um erkrankte Lehrer zu ersetzen. Etliche Schulen haben sogar überhaupt keinen Puffer. Eine große Magdeburger Schule etwa startete ins Schuljahr mit 98,8 Prozent Unterrichtsversorgung und erreicht mittlerweile nur noch 92,5 Prozent. Anderswo sind es weniger als 90 Prozent.

Beim Landeselternrat gehen Beschwerden vor allem aus dem Norden des Landes ein. „Dabei sind die Lehrer jetzt noch motiviert und haben Kraft aus den Ferien. Im Dezember sieht das anders aus", sagt Vorsitzender Thomas Jaeger. Er klagt, die Qualität der Bildung lasse nach.

Das Landesschulamt in Halle müht sich, offene Stellen zu besetzen und kranke Pädagogen durch Abordnungen zu ersetzen. „Das geht aber nicht so schnell, weil die Personalräte mitzureden haben", sagt Jürgen Krampe, Vize-Chef des Landesschulamts. Derzeit seien 40 unbefristete Stellen im Besetzungsverfahren, 30 befristete Sprachlehrer für Flüchtlingskinder kommen hinzu. Es fehle nicht an Geld, versichert Krampe. Dem Land falle es jedoch immer schwerer, Lehrer für Mangelfächer zu finden, etwa für Naturwissenschaften und Sprachen.  „Und dann kommt in diesem Schuljahr eine sehr hohe Zahl von Langzeiterkrankungen hinzu. Das hat uns selbst überrascht."

Anders als früher schreibt die Behörde Stellen nicht mehr zu wenigen Stichtagen aus, sondern kontinuierlich. Auch wird es  Schulleitern in den Großstädten Magdeburg, Halle und Dessau erlaubt, auf eigene Faust Personal mit Nachbarschulen zu tauschen, um Engpässe zu schließen. Das kündigte Kultus-Staatssekretär Jan Hofmann (SPD) gegenüber der Volksstimme an.

Die Lehrergewerkschaft GEW versucht, das Ausmaß der Probleme durch eine Umfrage bei den Personalräten  zu ermitteln. Das Landesschulamt hat es den Schulleitern jedoch untersagt, die Fragebögen an die Personalräte weiterzuleiten. Schulinterne Daten dürften nicht in die Öffentlichkeit gelangen, begründet Landesschulamts-Chef Torsten Klieme das Verbot.

„Schule ist eine öffentliche Veranstaltung, da müssen die Fakten auf den Tisch", kontert GEW-Chef Thomas Lippmann. Trotz der Intervention seien 80 Rückmeldungen eingegangen. Deren Auswertung deute darauf hin, dass nur jede fünfte Schule das selbstgesteckte Ziel des Landes nach 103 Prozent Unterrichtsversorgung erreiche. Das Kultusministerium will Anfang Oktober aktuelle Zahlen vorlegen.