Magdeburg (dpa) l Nur wenige pflegende Angehörige in Sachsen-Anhalt finden sich in Selbsthilfegruppen zusammen. "Die Betroffenen sind immensen Belastungen ausgesetzt – physisch und psychisch", sagte die Mitarbeiterin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes des Landes, Romy Kauß, in Magdeburg. Selbsthilfegruppen könnten ihnen Orientierung, Sicherheit, Halt oder auch praktische Tipps geben.

"Ein Austausch mit Menschen, die sich in ähnlichen Situationen befinden und daher nachvollziehen können, wie man sich fühlt, würde vielen Angehörigen guttun", betonte Kauß. Doch viele nutzten die Angebote nicht. Über sogenannte Selbsthilfe-Kontaktstellen könnten sich Interessierte über passende Gruppen informieren. Nach Verbandsangaben gibt es derzeit 14 solcher Anlaufstellen – in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt. Die meisten seien in Trägerschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.

Unterschiedlich stark vertreten

Ursprünglich geht Selbsthilfe auf Suchterkrankungen zurück. "Vielleicht verbinden deshalb noch viele Menschen das Thema mit Treffen von anonymen Alkoholikern", erklärte Kauß. Es gebe jedoch heutzutage für fast alle Lebenslagen passende Gruppen – von A wie Adipositas bis Z wie Zwangserkrankungen. Pflegende Angehörige aber seien aus dem Blickfeld vieler gerückt. Sie wüssten oft nicht, dass es auch für sie Angebote gibt, sagte Kauß. Ein Schritt auf dem Weg zu deren Nutzung sei, Geld von Land und Pflegekassen zu erhalten. Dazu soll laut Kauß noch in diesem Jahr ein Gesetz kommen.

Selbsthilfegruppen sind je nach Region und Bereich unterschiedlich stark vertreten. Klassische Themen seien Diabetes, Rheuma, Osteoporose, Depressionen oder Krebs, erläuterte die Verbandsreferentin. Oft gebe es jeweils spezielle Angebote für Brust-, Darm- oder Prostatakrebs-Kranke. Aber auch Alleinerziehenden oder Menschen, die sich einsam fühlen, böten sich vielerorts Gruppen. Allein 2018 wurden landesweit etwa 50 Selbsthilfegruppen neu gegründet; insgesamt gibt es schätzungsweise 1200.

Zahl der Anfragen steigt

Die Zahl der Anfragen bei den Selbsthilfe-Kontaktstellen wächst den Angaben zufolge jährlich. Von ihnen erreichten die meisten die Mitarbeiter in den Kontaktstellen schriftlich oder online, weil hier die Hemmschwelle gerade bei sensiblen Themen niedriger sei, erklärte Kauß.

2017 wurden auf diesem Weg mehr als 10.000 Anfragen gestellt. Darüber hinaus gab es rund 7500 Telefonate sowie 5000 persönliche Gespräche. Vor fünf Jahren waren es rund 6300 schriftliche Anfragen, 9300 Telefonate und 4500 persönliche Kontakte. Für 2018 liegt die Statistik noch nicht vor. Auf der 1. Mitteldeutschen Selbsthilfekonferenz im Mai in Halle sollen Akteure der Selbthilfe zusammengebracht und miteinander vernetzt werden.