Magdeburg l Jahrelang zockten neun Großspieler offenbar organisiert und damit regelwidrig bei der staatlichen Sportwette Oddset in Sachsen-Anhalt - doch die zuständigen Lottochefs schritten lange nicht konsequent genug ein. Bei einem privaten Anbieter wäre das wahrscheinlich nicht passiert, sie hätten die Spieler schneller gesperrt. So lassen sich die sechs Stunden Zeugenbefragung beim Parlamentarischen Untersuchungsausschuss gestern im Landtag zusammenfassen. Im Fokus der Zocker stehen vier Spieler rund um eine ehemalige Lotto-Verkausfstellenleiterin in Zerbst sowie ihr Ehemann André H. Er wettete zwar nicht selbst, gilt aber als Kopf, da er über Insiderwissen verfügt. Allein 2017 und 2018 setzten die Vier drei Millionen Euro und räumten 300 000 Euro Gewinne ab. Das verwässerte die Ausschüttungen in anderen Bundesländern. Die Datenlage nährt den Verdacht, dass die Ex-Lottoverkäuferin die Spielkarten von Bekannten genutzt hat, um die Einsatzobergrenze von 10 000 Euro pro Spieler zu umgehen; die Freunde jedoch hatten offenbar weder das Geld noch das Wissen für strategische Sportwetten. „Organisierte Wetten sind nicht erlaubt“, sagte Oddset-Chef Michael Hettich im Ausschuss. So sollen auch Spielsucht und Geldwäsche verhindert werden. „Es muss jeder mit seinem eigenen Geld und seinem eigenen Namen spielen.“

Doch anstatt die Spieler zu stoppen, erhöhten die Lottochefs in Magdeburg der Filiale in Zerbst sogar die wöchentlichen Umsatzlimits. Lotto verdiente ja schließlich gut daran mit.Hätten private Wettanbieter eher reagiert und die Spieler gesperrt? „Ja, ich würde das so erwarten“, sagte Erik Jan Bleeker, Chef der Intralot Germany. Seine Firma liefert Quoten und Spiel-Software und hatte Oddset schon im April 2018 über Unregelmäßigkeiten in SachsenAnhalt informiert. Im September erfolgte eine detaillierte Analyse. Die Abgeordneten fragten gleich ein zweites Mal nach. Bleeker blieb dabei: Private hätten wohl schneller gehandelt. Oddset-Chef Hettich gab an, im Oktober 2018 die Lottozentrale in Magdeburg per Mail und die Geschäftsführerin auch telefonisch über die Auffälligkeiten informiert zu haben. Doch die Zockerei ging auch 2019 noch weiter. Mittlerweile, so Hettich, seien sieben der neun Spieler gesperrt.

Die Lotto-Chefs Maren Sieb und Rolf von Einem wurden im Juli 2020 von ihren Ämtern vorerst freigestellt.

Nicht weiter kam der Ausschuss bei der Frage, ob Andre H. während seiner Zeit als Buchmacher bei Intralot Insiderwissen sammeln konnte, das ihm später beim Wetten unlautere Vorteile hätte bringen können. Intralot-Chef Bleker sagte: „Ich glaube nicht, dass das ein besonderer Vorteil ist.“Glauben mochten ihm das die Abgeordneten auch nicht.