Magdeburg l Die Sachsen-Anhalter sind auch 2019 im Reisefieber. Anders ist es nicht zu erklären, dass an den Eingängen zu den Messehallen im Elbauenpark in Magdeburg am Freitag schon reges Treiben herrschte. Die ersten Besucher der diesjährigen Landesfachausstellung für Reisen und Freizeit, die Lust auf Urlaub, Fernreisen, Caravaning, eine Radtour um die Ecke oder einen Kurztrip in den Harz machen will, konnten das Öffnen der Tore offensichtlich kaum erwarten. Ungeduldig tippten einige unter ihrem Regenschirm auf die Uhr ...

Dabei zielt das breite Spektrum der „Tourisma & Caravaning 2019“ viel eher auf das Gegenteil von Stress, Ärger und Nieselregen ab: Entspannen, Erholen und Entschleunigen ist bei der 27. Auflage der Messe angesagt. 120 Aussteller locken auf 8500 Quadrametern mit sonnigen Aussichten und Super-Angeboten. „Es sieht so aus, dass diesmal auch das Wetter einigermaßen mitspielt, so dass auch die Leute aus dem Umland den Weg zu uns finden“, hofft Frank Hoffmann, Geschäftsführer von der expotec, die diese Messe veranstaltet, auf 10 000 und 12 000 Besucher. „Wenn‘s gut läuft, sind es sogar noch etwas mehr. Das Thema Reisen kommt ja zum Glück nie aus der Mode.“

Drei Hallen für Reisende

Dabei ist des Reisenden Willen ein Drei-Hallen-Reich: In Halle 1 gibt es alles rund um das Thema Caravan & Camping. In Halle 2 tummeln sich die Anbieter von Wellnessurlaub, Busreisen, Individual- und Flugreisen bis hin zu Hotelurlaub und Städtetrips. Auch viele Veranstalter aus der Region machen, wie die Architektenkammer, die erstmals mit ihren „Architektouren“ und „100 Bauten aus 1000 Jahren“ am Start ist, Lust auf den Urlaub vor der Haustür. Und in Halle 3 dreht sich alles um das Fahrrad – groß im Rennen: E-Bikes.

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Bei Christian Engelhardt, Chef des Magdeburger Reisebüro „Cactus“, werden bereits die ausgestellten Reisemobile unter die Lupe genommen. „Das Caravaning erlebt gerade einen regelrechten Boom. Die Menschen sehnen sich immer mehr nach Freiheit und Individualität“, berichtet der Fachmann, der sich auf das Vermieten der „rollenden Hotels“ spezialisiert hat. Angefangen hat er mit drei fahrbaren Untersätzen 2009. „Inzwischen sind es 30 Reisemobile – von der Normalausstattung bis hin zu Luxuxsausführungen für 6 Personen mit Queensizebett und allem Pipapo. Und fast alle sind für den Sommer 2019 bereits ausgebucht.“ Die meisten seiner Kunden, die ab 100 Euro aufwärts pro Tag berappen müssen, ziehe es nach Skandinavien.

Auf Camping-Urlaub stehen Irene und Detlev Kiedt aus Plötzkau seit Jahren. „Individuell, ungebunden, frei – das ist unser Ding. 1976 haben wir uns den ersten Wohnwagen gekauft, seit 1998 haben wir ein Reisemobil.“ Das tue es noch ein paar Jahre, hoffen beide. „Aber man muss auf dem Laufenden bleiben und schauen, was es Neues gibt“, so das Rentner-Paar, das sich dreimal im Jahr auf Achse macht. „Unser Tipp ist Norwegen. Einfach herrlich, da stehenzubleiben, wo es einem gefällt.“

In drei Minuten zum Zelt

Gegenüber präsentiert Sven Linke von „Wohnmobile und Caravans“ aus Wismar ein Luftschlauchzelt – „die Alternative zum Ehekrieg beim herkömmlichen Aufbau“. Auch Ute und Peter Gravert aus Biederitz, Stammgäste der Messe, staunen, dass binnen drei Minuten alles erledigt ist. „Was war das früher für ein Gewürge mit den ollen Stangen!“ Die nervraubende Handarbeit leistet ein Akku-Kompressor.

Linke grinst: „Die sportliche Variante tut‘s aber auch: Mit einer Handpumpe braucht es zehn Minuten, dann steht das Vorzelt in voller Schönheit.“ Kostenpunkt: 2200 Euro. Die Graverts, beide Ende 60, lehnen dankend ab. „Dafür sind wir zu alt, wir machen lieber wieder Urlaub mit der ,Aida‘. Fast alle haben wir durch. Die Neueste, die Nova, kommt als nächstes.“

Apropros Kreuzfahrten. Die liegen laut Hoffmann neben Individual- und Abenteuerreisen nach Südostasien, Urlaub im eigenen Land, Kurzreisen und Radtouren in der Region im Trend. „Es ist so: einmal Kreuzfahrt - wieder Kreuzfahrt. Aber unsere Klientel hat schon viel gesehen“, weiß Steffen Hoffmann, Verkaufsleiter bei „Polster & Pohl“. „Sie wollen etwas Neues. Exotisches. Fernost, Alaska, Madagaskar sind der Renner.“ Zudem gehe der Trend wieder „mehr weg vom Trubel und hin zu kleineren Schiffen mit 1000, 1500 Urlaubern.“ Ein Geheimtipp hat Hoffmann auch parat: „Die 12-tägige Baikalsee-Kreuzfahrt plus Transsibirische Eisenbahn ist neu im Programm, aber mit rund 2800 Euro auch etwas preisintensiver. Aber es lohnt sich!“ Axel und Elke Behrend aus Burg hätten da auch noch etwas beizusteuren: „Anlässlich meines 60. Geburtstages waren wir 2012 mit ,Mein Schiff 4‘ in Norwegen unterwegs – herrlich, kann ich nur empfehlen.“

Heimische Reiseziele im Blick

Für Ex-Busfahrer Manfred Heise ist das Reisen per Schiff „nix“. Der Pömmelter ist am liebsten mit dem eigenen Auto unterwegs. Frei nach dem Motto: Warum in die Ferne schweifen, suche er auf der Messe nach interessanten Reisezielen in Deutschland. „Mecklenburger Seenplatte fände ich reizvoll.“

Abflug heißt indes ab Oktober 2020 vom BER. „Endlich!“, meint Michael Dorn vom Flughafen Berlin Brandenburg (FBB). „Hoffentlich“ werden sich die Fluggäste in spe denken, denen von Berlin aus zwei neue Direktflüge angeboten werden: nach Singapur und Philadelphia. Vielleicht schon bald auf dem Elberadweg unterwegs ist Christine Dziallas (62). Die Magdeburgerin, die von Taiwan als Traumreiseziel schwärmt, probiert ein E-Bike von „Little John Bike“ aus. „Fährt sich super. Hiermit würde ich mich auch mal auf eine längere Tour wagen.“ Meinung

Die Messe öffnet am Sonnabend und Sonntag von 10 bis 18 Uhr (Tageskarte: 7 Euro, ermäßigt 5 Euro).