Magdeburg l Ein 43-jähriger Internetbetrüger ist am Donnerstag am Magdeburger Landgericht wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Außerdem muss er im Rahmen des Adhäsionsverfahrens an mehrere Gläubiger bereits gezahlte Beträge zurückzahlen. Das Geld soll aus einem bei der Salzlandsparkasse eingefrorenen Konto des Betrügers in Höhe von 146.858 Euro kommen. Zu dem ordnete die Strafkammer um die Vorsitzende Claudia Methling die Unterbringung in eine Entziehungsanstalt für Drogen an.

Innerhalb weniger Tage Ende Juli 2018 verkauften der Angeklagte und weitere unbekannt gebliebene Täter über die Internetplattform „ebay“ in 427 nachgewiesenen Taten vor allem Klimaanlagen, kassierten per Vorkasse und lieferte nicht. Insgesamt soll es sich um weit über 600 Fälle gehandelt haben. Rund 200 hatte die Staatsanwaltschaft bereits im Vorfeld eingestellt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der bereits einschlägig vorbestrafte und wegen Betruges unter Bewährung stehende Mann aus dem Mansfelder Land mit gefälschtem französischen Pass, aber echten Passbild, zunächst eine Firma mit dem Namen „Lemounte IT GmbH“ gegründet hat. Angeleitet sei er dabei von zwei anderen Haupttätern. Es handelte sich um einen „Zlatko“ und ein „Kunsch“. Letzterer eröffnete später ebenfalls bei der Sparkasse ein Konto und wies sich als ein Herr „Budani“, ebenfalls Franzose, aus. Auch sein verwendeter Ausweis stellte sich später als Fälschung heraus. Die Staatsanwaltschaft sucht noch nach den beiden Unbekannten. Richterin Claudia Methling: „Wir konnten nicht feststellen, dass der Angeklagte allein gehandelt hat.“ Vielmehr sprach das Gericht von einer möglichen Masche des Angeklagten als „Strohmann“ für clevere Betrüger herzuhalten, um so seine Drogen zu finanzieren.

Zeugen sogar aus Süddeutschland

In Bernburg (Salzlandkreis) mietete Lars F. eine Wohnung – als Sitz seiner angeblichen Firma. Zunächst verkaufte er auf „ebay“ ganz regulär in 200 Fällen Technik, um an die nötigen positiven Bewertungen zu kommen. Mit diesen konnte er, bzw. seine Mittäter, die zunächst geforderte sichere Zahlungsweise „PayPal“ umgehen. Die Kunden überwiesen das Geld in Vorkasse auf die zuvor mit dem gefälschten Pass eröffneten Konten. Zeugen, die teilweise aus Süddeutschland anreisen mussten, sagten im Prozess aus, dass sie wegen der guten Bewertungen nicht argwöhnisch wurden. Zum Zeitpunkt des Betruges waren Klimaanlagen in Deutschland Mangelware. Zwischen dem 27. Juli und dem 2. August bot die Lemounte IT GmbH vor allem hochwertige Klimageräte und Ventilatoren an. Die Verkaufszahlen gingen in den sieben Tagen wegen des heißen Sommers durch die Decke.

Nach den Ermittlungen der Polizei soll der entstandene Schaden sich auf mindestens 300.000 Euro belaufen. Vorgeworfen wurden in dem Verfahren rund 180.000 Euro.

Die Rechnung wäre vielleicht aufgegangen, wenn Lars F. bei der Polizei und Justiz nicht so bekannt gewesen wäre. Er führt im Bundeszentralregister 20 Einträge, mehrfach wegen Betruges. Möglicherweise haben die Haupttäter genau deshalb Lars F. als Strohmann ausgenutzt.

Urteil akzeptiert

Gegen das Urteil kann die Staatsanwaltschaft noch Revision einlegen. Sie plädierte für vier Jahre und acht Monate Haft. Der Angeklagte hat das Urteil bereits akzeptiert.