Magdeburg l Wenn in einigen Jahren Sachsen-Anhalts Urlauber auf der neuen A 14 zur Ostsee düsen, haben einige Tausend Elbanrainer nicht viel davon. Havelberg und die umliegenden Gemeinden müssen über die Elbe setzen, um zur Autobahn zu gelangen. Doch die nächsten Brücken sind gut 40 Kilometer weit weg. Also bleibt ihnen – wie seit 1453 verbrieft – allein die Fähre, um auf die andere Seite zu kommen. Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) hatte zwar beim Bund den Neubau einer Elbebrücke bei Havelberg angemeldet. Doch das Projekt kam bislang nicht mal in den weiteren Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. Also in den Papierkorb.

Nun hat der Bundestag das letzte Wort über den großen Bauplan, und die Fraktionen in Berlin versuchen, noch was rauszuholen. Doch die Zeichen stehen schlecht. Ein zweistelliger Millionen-Betrag, eine dünn besiedelte Gegend, zudem stünde das Bauwerk in einem Naturschutzgebiet – Skeptiker kennen viele Gründe. „Die Brücke wird wohl immer ein Traum bleiben“, heißt es bei Verkehrsexperten der SPD-Bundestagsfraktion.

Albträume kriegt Havelbergs Bürgermeister Bernd Poloski (parteilos), wenn er so was hört. „Die Brücke muss sein, sonst bleiben wir abgehängt.“ Selbst die Fahrt in die benachbarten Orte des eigenen Landkreises funktioniert nur über die beiden Fähren Werben oder Sandau. Für Handwerker, Pendler oder Angestellte beim Zellstoffwerk ein Riesenproblem, sagt Bürgermeister Polos­ki. Zumal: Nachts, bei Hochwasser, Nebel oder Eisgang verkehren keine Fähren. Ein Trost bleibt der Region wenigstens: Das Fährgeschäft läuft so gut, dass die zuständige Stadt Werben in manchen Jahren sogar ein Plus einfährt. Voriges Jahr waren es 61 000 Euro.

Davon können andere nur träumen. In Ferchland etwa, ein paar Kilometer weiter südlich. 2014 schoss die Gemeindekasse 12 000 Euro zu, um die Kosten auszugleichen. „Und das war ein gutes Jahr“, sagt Ortsbürgermeisterin Nicole Golz. Voriges Jahr lief es wegen des Niedrigwassers schlechter. Da waren 85 000 Euro fällig. Nun wurden die Preise erhöht. „Wir haben jetzt die teuerste Fähre im Land“, bedauert die Bürgermeisterin. Die Hin- und Rücktour kostet für einen Passagier mit Auto 7,30 Euro. Für Pendler gibt es einen Rabatt: Wer jedoch werktäglich auf die Fähre angewiesen ist, muss im Monat 132 Euro hinblättern.

Die Gemeinde muss zahlen

Was die Bürgermeisterin vor allem stört: Obwohl die Fähre als landesbedeutsam eingestuft ist und eine Landesstraße verbindet, muss die Gemeindekasse für die Unkosten geradestehen. „Das ist nicht fair. Hier wäre das Land gefragt.“

So sieht das auch Bürgermeister Jens Strube aus Barby. Sein Städtchen, an Elbe und Saale gelegen, bewirtschaftet mit den Fähren Barby, Breitenhagen und Groß Rosenburg drei Übergänge. Einzig Barby arbeitet kostendeckend, die anderen sind ein Zuschussgeschäft. „Etwa 100 000 Euro kostet uns das jedes Jahr“, rechnet Strube vor. Die zu bezahlen, fällt immer schwerer, da die Stadt ohnehin mit mehr als 8 Millionen Euro in den roten Zahlen steckt. Die Kommune hält sich mit Kassenkrediten über Wasser, außerdem wurde die Umlage an den Landkreis gestundet. „Doch aufgeben sollten wir die Fähren nicht“, meint Strube. „Besonders für den Tourismus wäre das ein Unheil.“ Die in Deutschland seltenen Gierseilfähren sind für viele Gäste eine Attraktion. Zudem habe die Stadt die acht Fährleute fest eingestellt und auch etliches in ihre Ausbildung investiert.„Der Bund hält sich mit dem Bau von Brücken vornehm zurück, die Kommunen sind abgeschnitten und müssen obendrein noch die Kosten für die Fähren tragen“, schimpft auch Jürgen Leindecker, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds.

Doch eine Kostenübernahme kommt für die Regierung nicht infrage. „Wir tragen die Hälfte der anfallenden Revisionskosten für die 13 landesbedeutsamen Fähren, mehr ist nicht vorgesehen“, sagt ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Alle fünf Jahre ist eine technische Tiefenprüfung vorgeschrieben. Pro Fahrzeug sind im Mittel 80 000 Euro fällig.

Schützenhilfe bekommen die Gemeinden aber bei den Brücken. Höchste Priorität haben Elb-Übergänge für Havelberg und zudem für Aken, wo sogar eine Bundesstraße (die B 187) am Fluss endet. „Der Bund muss da seine Hausaufgaben machen“, fordert SPD-Verkehrspolitiker Falko Grube. Hoffentlich hören das seine Genossen in Berlin.