Magdeburg l „#Verschiebdeinereise. Bis bald in Sachsen-Anhalt“ ist die Kampagne überschrieben. Die fürs Tourismusmarketing zuständige Investitions- und Marketinggesellschaft (IMG) hat sie am Donnerstag gestartet.

Die als Solidaritätsaktion für die leidende Tourismusbranche gedachte Initiative solle dazu beitragen, dass Gäste Sachsen-Anhalt als Reiseziel im Gedächtnis bewahren, sagte IMG-Geschäftsführer Thomas Einsfelder.

Gastwirt: Kampagne kommt zur Unzeit

40.000 Euro lässt sich das Land dies kosten. Werbung übers Internet und Radiosender inklusive. Gezeigt werden Motive aus der Altmark, dem Dessau-Wörlitzer Gartenreich oder aus dem Rosarium Sangerhausen. Bei Gastronomen und Hoteliers sorgt die Aktion indes für schlechte Laune:

„Es erschreckt mich, wie hier von Fachleuten Steuergeld verbraten wird“, sagt Arno Frommhagen, Inhaber des Cafés Flair in Magdeburg. Die Kampagne komme zur Unzeit. Magdeburger Dom, der Jahrtausendturm oder auch die Wittenberger Schlosskirche könnten besichtigt werden. "Sachsen-Anhalt sollte Gastwirten jetzt beistehen und Gäste nicht auch noch ausladen." Auch Sandra Yvonne Stieger, Geschäftsführerin der Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH, die die Außenwerbung der Landeshauptstadt organisiert, sagte: "Der Zeitpunkt der Kampagne ist äußerst unglücklich."

Tatsächlich hatten Deutscher Reiseverband (DRV) und Deutscher Tourismusverband (DTV) bereits Ende März die bundesweite Vorlage für die Landeskampagne geliefert: „Verschiebdeinereise. Wer reisen liebt, verschiebt“, lautete das Motto – damals eine Reaktion auf die Ankündigung von Bund und Ländern, Hotels und Gaststätten vorerst bis Ende April geschlossen zu halten.

Erste Länder lockern bereits

Gestern indes kündigten zwei Nordländer nach Beratungen bereits erste Lockerungen an: In Mecklenburg-Vorpommern dürfen Dauercamper ab 1. Mai auf ihre Plätze zurück. Schleswig-Holstein heißt ab 4. Mai Besitzer von Ferienwohnungen willkommen. Auch Österreich denkt laut über eine Öffnung des Landes für deutsche Urlauber nach, sollten der Zuwachs der Neu-Infizierten mit dem Corona-Virus weiter rückläufig sein.

„Die Kampagne bei uns kommt viel zu spät“, sagt auch Frank Wyszkowski, Chef im „Acamed-Resort“-Hotel Neugattersleben. Erst vor kurzem wurde sein Haus als beliebtestes Hotel im Land prämiert. Das nütze ihm jetzt nichts, sagt er. 500.000 Euro Umsatzverlust hat er in den vergangenen sechs Wochen eingefahren. „Jetzt wären Ansätze gefragt, die Hoffnung machen.“ Sein Hotel habe Anfragen für Pfingsten, genaue Hygienepläne liegen bereit.

Warum also startet die Kampagne jetzt mit dieser Botschaft? IMG-Chef Einsfelder sagt, man sei schnell gewesen. Sachsen-Anhalt sei das erste Land, das die Kampagne aufgreife. Nach Volksstimme-Informationen bislang allerdings auch das einzige. Die Aktion stoße auf große Zustimmung bei Kammern, Gast- und Tourismusverbänden, sagte Einsfelder.

Auf Anfrage erklärte die ebenfalls für Landesmarketing zuständige Staatskanzlei am Donnerstag, man sei nicht in die Aktion eingebunden und könne sie nicht bewerten.