Magdeburg (dpa) | Erich Pohlmann steigt die Leiter an der Hauswand hinauf und nimmt einen der vielen Nistkästen ab. Unten angelangt, öffnet er vorsichtig den Deckel. "Sie sind noch drin", freut er sich und trägt den Nistkasten mit zwei jungen Mauerseglern zum Gartentisch. Dort sollen die beiden Vögel beringt werden.

Der Magdeburger Pohlmann züchtet seit früher Jugend Vögel. In geräumigen Volieren zwitschern bunte Exoten. Der Rentner kümmert sich aber auch um Wildvögel. Auf seinem Grundstück im ländlichen Ottersleben herrscht reger Flugverkehr: Mauersegler, Rauchschwalben, Rotkehlchen und Spatzen wissen, dass sie hier ungestört brüten können und auch mal einen fetten Mehlwurm bekommen.

Erste Nistkästen für Mauersegler

Mehr als zehn Jahre ist es her, dass Erich Pohlmann die ersten Nistkästen für Mauersegler aufgehängt hat. Am Anfang brauchte er Geduld. "Aber nach ein paar Jahren flogen sie den ersten Kasten an, und seitdem sind es immer mehr geworden." So wie die Kästen an der Wand. Über 20 sind es inzwischen, und sie werden von Pohlmann akribisch betreut.

Jedes Jahr im August, wenn die Segler ihren langen Flug ins südliche Afrika angetreten haben, nimmt er sie ab, desinfiziert sie und hängt sie erst Anfang Mai wieder auf. "Sonst werden sie von Spatzen besetzt", weiß er aus Erfahrung. "Dann gibt es schon mal Streit, und die Mauersegler werfen die Spatzen raus." Mit der Sanierung von Wohnhäusern und dem Abriss oder Umbau alter Industriegebäude verschwinden immer mehr Nistmöglichkeiten der Vögel, die eigentlich Felsenbrüter sind und heute vor allem in den Nischen von alten Gebäuden nisten.

Streit um Nistkästen

"Dieses Jahr haben sich sogar die Segler um die Nistkästen gestritten", berichtet Pohlmann. Teilweise seien sogar Eier aus dem Gelege gefallen und nicht bebrütet worden. Kein gutes Mauerseglerjahr also. Die meisten der 16 Brutpaare hätten nur zwei Küken großgezogen, sonst seien es oft drei. Insgesamt 34 Jungvögel hat der Rentner gezählt, der früher als Dreher im Traditionsbetrieb SKET gearbeitet hat.

"Es ist wichtig, dass wir die verschwindenden Nistplätze ersetzen", bekräftigt Pohlmanns Vogelkundler-Freund Helmut Stein. Auf dem Grundstück von Erich Pohlmann fand er in diesem Jahr einen Altvogel, den er vor sieben Jahren selbst beringt hatte. "Das war ein Mauersegler, der hier geboren wurde", freut sich der Ornithologe.

Für Helmut Stein gehören die Mauersegler zu den faszinierendsten Vögeln: Im Sturzflug sind sie bis zu 200 Kilometer pro Stunde schnell, und sie verbringen ihr gesamtes Leben in der Luft. "Wenn sie flügge sind, müssen sie fliegen können. Sie landen erst wieder zur Brut zehn Monate später", weiß er, "sie schlafen sogar in der Luft".

Winter in der Sahara

Anfang August starten die Vögel gen Süden. Den Winter verbringen sie südlich der Sahara, und Anfang Mai sind die ersten zurück, um hier zu brüten. "Leider werden auch die Mauersegler immer weniger", beobachtet Helmut Stein.