Magdeburg l In Sachsen-Anhalt waren nach Angaben des Innenministeriums Ende 2018 ganz genau 11.750 Inhaber Kleiner Waffenscheine registriert. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von 1235, was einem Plus von 11,7 Prozent entspricht. Seit dem Jahr 2015 – damals waren 4780 Kleine Waffenscheine gemeldet – ist die Zahl sogar um 145,8 Prozent gestiegen.

Im Ländervergleich liegt Nordrhein-Westfalen mit 8,7 Kleinen Waffenscheinen je 1000 Einwohner an der Spitze, gefolgt von Schleswig-Holstein (8,5), Hessen und dem Saarland (jeweils 8,1). In Sachsen-Anhalt entfallen auf je 1000 Einwohner 5,2 Besitzer eines Kleinen Waffenscheins. Dagegen sind Sachsen (4,5 je 1000 Einwohner), Hamburger (4) und Bremer vergleichsweise wenig an Selbstbewaffnung interessiert.

Gebrauch nur im Notfall

Der Kleine Waffenschein wurde 2003 eingeführt. Die Lizenz erlaubt es, Schreckschuss-, Gas- und Signalpistolen außerhalb des Grundstücks mitzuführen. Aber nur im Notfall darf damit geschossen werden. Wer den Kleinen Waffenschein bekommen möchte, hat bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen. Der Bewerber muss mindestens 18 Jahre sowie persönlich geeignet und zuverlässig sein. Ausschlusskriterien sind eine Drogen- oder Alkoholabhängigkeit und größere Vorstrafen.

Auch bundesweit geht die Zahl der Kleinen Waffenscheine beständig nach oben. In Deutschland waren Ende 2018 exakt 610 937 Inhaber Kleiner Waffenscheine registriert – gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg von 53 377 beziehungsweise ein Plus von 9,7 Prozent. Der Zuwachs hat sich aber etwas abgeschwächt. 2017 war die Zahl der Kleinen Waffenscheine noch um 87 800 (plus 18,7 Prozent) gestiegen, 2016 – vor allem nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht – sogar um 183 850 (plus 64,3 Prozent). Seit dem Jahr 2014 (262 599 Kleine Waffenscheine) wurde unterm Strich ein Anstieg von sage und schreibe 133 Prozent registriert.

Mehr Schusswaffen in privater Hand

Die Zahl der Schusswaffen, die in Deutschland in privater Hand sind, ist im vorigen Jahr ebenfalls weiter gewachsen. Sie stieg um 27 000 auf knapp 5,4 Millionen Waffen und Waffenteile. Die meisten davon – 3,6 Millionen – waren sogenannte Langwaffen, also Jagdgewehre, Büchsen und Flinten. In Sachsen-Anhalt befanden sich Ende 2018 exakt 124 675 Waffen in Privatbesitz. 44 565 Sachsen-Anhalter hatten eine Waffenbesitzkarte.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht bei vielen ein wachsendes latentes Unsicherheitsgefühl. GdP-Bundeschef Oliver Malchow warnt davor, dass der Einsatz von Schreckschuss-Waffen neue Gewalt hervorrufen könne: „Solche Waffen suggerieren eine trügerische Sicherheit oder auch höhere Verteidigungsbereitschaft. Genau das kann eine Lage eskalieren lassen und den Nutzer möglicherweise selbst zum Straftäter machen.“ Der Träger sei in höherer Gefahr, weil sein Gegenüber nicht erkennen könne, ob es sich um eine Schreckschuss-Pistole handle. Sachsen-Anhalts AfD bringt in die Landtagssitzung in dieser Woche indes einen Antrag ein mit dem Ziel, das Waffengesetz „bürgernah“ auszulegen. So sollen etwa Waffenverbote auf erlaubnispflichtige Waffen beschränkt werden. Die AfD spricht von einer „jahrzehntelangen schrittweisen Diskriminierung legaler Waffenbesitzer“.

2018 wurden in Sachsen-Anhalt 1165 Waffenverbote erteilt. „Es besteht kein Interesse an einer allgemeinen Bewaffnung der Bevölkerung“, heißt es im Innenministerium. Die Kon­trolle über in der Bevölkerung vorhandenen Waffen und deren Limitierung sei „Teil der Sicherung des Gewaltmonopols des Staates“.