bußgelder drohen

Wasserknappheit in Sachsen-Anhalt: In diesen Landkreisen wird die Entnahme bereits reguliert

Mangelnde Niederschläge und die anhaltende Hitze lassen in Sachsen-Anhalt das Wasser knapp werden. In einigen Regionen wird die Entnahme bereits reguliert. Welche Landkreise bislang Maßnahmen erlassen haben, was für Bußgelder drohen und wie sich Wasser sparen lässt.

Aktualisiert: 29.06.2022, 11:11
Sachsen-Anhalt leidet unter Wassermangel. Einige Landkreise haben die Entnahme bereits rationiert.
Sachsen-Anhalt leidet unter Wassermangel. Einige Landkreise haben die Entnahme bereits rationiert. Foto: picture alliance/dpa/Lino Mirgeler

Magdeburg/Halle (Saale)/DUR – Die Waldbrandgefahr steigt, die Grundwasserspiegel sinken: Das sommerliche Wetter bringt die Natur in Sachsen-Anhalt an ihre Grenzen. Weil das Wasser in vielen Teilen des Landes bereits knapp wird, haben erste Landkreise Verordnungen erlassen, die die Wasserentnahme streng reguliert. In diesen Regionen gibt es Einschränkungen (Stand: 30. Juni 2022).

Wasserknappheit: Dessau-Roßlau verbietet Wasserentnahme aus Flüssen und Brunnen

Das angekündigte Verbot der Entnahme von Wasser in Folge der Trockenheit ist schärfer ausgefallen als erwartet. Ab dem 30. Juni ist in Dessau-Roßlau sowohl das Abpumpen von Wasser aus Seen und Flüssen, als auch das Abpumpen von Brunnenwasser zur Bewässerung von Grünflächen, Sportplätzen, Gärten und anderen Bepflanzungen tagsüber verboten. Doch das Verbot ist zeitlich begrenzt.

Wasserknappheit in Sachsen-Anhalt: Altmarkkreis Salzwedel schränkt Wasserentnahme ein

Im Altmarkkreis Salzwedel ist seit dem 17. Mai und bis zum 30. September das Abpumpen von Wasser zur Bewässerung untersagt. Zwischen 12 und 18 Uhr ist zudem das Gießen öffentlicher wie privater Grünflächen verboten. Das gelte auch für private Gartenbrunnen.

Große Trockenheit: Landkreis Anhalt-Bitterfeld schränkt Entnahme von Wasser ein

Seit dem 9. Juni ist die Wasserentnahme im Landkreis Anhalt-Bitterfeld deutlich beschränkt. Die Regelung gilt vorerst bis Ende September und erlaubt die Entnahme von Wasser aus Brunnen nur zu bestimmten Zeiten. Zudem darf es nicht zur Bewässerung von Pflanzen verwendet werden.

Wasserknappheit: Landkreis Stendal verhängt Entnahmeverbot

Ab dem 22. Juni gilt zudem ein Wasserentnahmeverbot im Landkreis Stendal, das es untersagt, Wasser aus oberirdischen Gewässern, zum Beispiel mit Pumpen, zu fördern. Zudem ist die Entnahme wie in Anhalt-Bitterfeld auf bestimmte Zeiten begrenzt. Darüber hinaus gibt es Einschränkungen bei der Bewässerung von Grünanlagen.

Wasserentnahme aus Gewässern im Salzlandkreis verboten

Die anhaltende Trockenheit lässt die Pegelstände in Bächen und Flüssen auch im Salzlandkreis dramatisch sinken. Weil Fachleute nicht mit einer geänderten Wetterlage rechnen, hat die Kreisverwaltung jetzt reagiert und ein Wasserentnahmeverbot aus oberirdischen Gewässern im Salzlandkreis ausgesprochen.

Wasserentnahmeverbot in Sachsen-Anhalt: Diese Strafen drohen bei Verstößen

Verstöße gegen das Wasserentnahmeverbot können als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Der Landkreis Stendal weist beispielsweise darauf hin, dass im Einzelfall Bußgelder von bis zu 50.000 Euro verhängt werden können.

Wie kommt es zur Wasserknappheit?

Mangelnde Niederschläge sind nur ein Grund unter vielen, die zur Wasserknappheit beitragen können. Durch die wachsende Weltbevölkerung und den steigenden Lebensstandard hat sich der Wasserverbrauch in den vergangenen Jahren erhöht. Da auch in der Landwirtschaft immer häufiger auf künstliche Bewässerung gesetzt wird, steigt der Verbrauch weiter.

Klimawandel verschärft Wasserknappheit in Sachsen-Anhalt

Langfristig wird auch der Klimawandel den Wassermangel in Sachsen-Anhalt deutlich verschärfen. Höhere Temperaturen sorgen einerseits für mehr Verdunstung, gleichzeitig fließt mehr Wasser bei Starkregenereignissen einfach ab, ohne ins Grundwasser zu gelangen.

Was versteht man unter Wassermangel und wann spricht man von Wassermangel?

Wasserknappheit kann einerseits über den demografischen als auch über den technischen Ansatz definiert werden. Die Hydrologin Malin Falkenmark vertritt dabei den demografischen Ansatz und spricht von periodischer Wasserknappheit, wenn das erneuerbare Süßwasser pro Kopf und Jahr unter 1.700 Kubikmetern liegt. Wenn nicht mehr als 1.000 Kubikmeter pro Kopf zur Verfügung stehen, spricht sie von Wassermangel, bei unter 500 Kubikmetern pro Kopf und Jahr von einem Wassermangel mit lebensbedrohlichem Ausmaß.

Die Kommission für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen definiert Wassermangel technisch: Länder gelten als von mittlerem bis hohem Wasserstress betroffen, wenn die entnommene Menge des gesamten erneuerbaren Süßwasservorrats 20 Prozent übersteigt. Liegt die jährlich entnommene Menge bei über 40 Prozent, wird von hohem Wasserstress gesprochen.

Wo gibt es wenig Wasser?

Weltweit betrachtet ist vor allem der Mittelmeerraum von Wassermangel betroffen. Neben dem Nahen Osten und Nordafrika sind unter anderem auch Indien, Pakistan und San Marino betroffen.

Was macht man gegen Wassermangel? Tipps zum Wasser sparen im Garten

Weil Pflanzen und Grünflächen auch im Sommer gewässert werden müssen, rät der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zur Nutzung von Regenwasser. Niederschläge können beispielsweise in Wasserfässern oder Tanks aufgefangen und zum Gießen genutzt werden.

Pflanzen und Grünflächen sollten dabei möglichst früh morgens oder spät abends gegossen werden, um die direkte Verdunstung zu verhindern. Zudem rät der BUND davon ab, Rasensprenger zu verwenden und stattdessen zur Gießkanne zu greifen. Durch die direkte Bewässerung wird weniger Wasser benötigt.