Magdeburg l Für den 65-jährigen Hartmut Engmann ist zurzeit die Welt in Ordnung, wenn er bei Schönebeck seine Runden in der Elbe dreht. Für den Schwimmer, der regelmäßig zwischen März und Oktober baden geht, gibt es nur eine Einschränkung: „26 Grad Wassertemperatur sind für mich eigentlich viel zu warm. Am liebsten habe ich 18 Grad.“

So wie ihm geht es vielen. Doch viele Seen sind noch viel wärmer. Nach einer aktuellen Messung liegt die Temperatur im Arendsee sogar bei 28 Grad Celsius.

Bisher kein Fischsterben in Sachsen-Anhalt

In der Elbe ist das anders. Die Volksstimme nahm eine Temperaturprobe am Domfelsen im Bereich der Strömung und stellte einen Wert von knapp 25 Grad Celsius fest. Der Vizepräsident des Anglerverbandes Sachsen-Anhalt, Harald Rohr, nahm ebenfalls eine Messung im Bereich des Stadtteils Fermersleben vor: Dort las er 26 Grad Celsius vom Thermometer ab. Der Pegel Barby meldet bei einem Wasserstand von 31 Zentimetern 26,6 Grad Celsius. Rohr: „Zwischen den Buhnen haben wir aber viel wärmere Bereiche.“ So kommt es an der Elbstrecke auch zu unterschiedlichen Werten. Das Messsystem „Undine“, betrieben von der Bundesanstalt für Gewässerkunde, meldete am Dienstagmorgen sogar nur einen Wert in Wittenberg von 24,9 Grad Celsius.

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Von Rekordtemperaturen ist die Elbe nach Angaben von Helmut Fischer von der Bundesanstalt für Gewässerkunde aber noch weit entfernt. „Im Jahr 2010 gab es sogar nach einer Erhebung der Flussgemeinschaft Elbe eine Wassertemperatur von 28,3 Grad im Bereich Magdeburg“, sagt Fischer. Ansonsten gebe es auch mal alle zwei Jahre Temperaturen von über 25 Grad als Spitzenwert in der Elbe. Allerdings komme es nicht auf die Höhe der Temperatur, sondern die Länge der Wärmeperiode an. „Das kann sich negativ auf die Organismen auswirken“, sagt er.

Eine ähnliche Befürchtung hat auch Harald Rohr, der für seinen Bestand in Sachsen-Anhalt (1200 Gewässer) bisher aber noch keine nennswerten Fischsterben gemeldet bekommen hat. In der Elbe liegt den aktuellen Messungen zufolge die Sauerstoffkonzentration bei sieben bis acht Milligramm pro Liter. „Gefährlich wird es für die Elbfische erst, wenn die Werte unter drei bis vier Milligramm pro Liter rutschen“, so Rohr.

Christian Wolter, Fischökologe am Leibnitz-Institut in Berlin, geht sogar noch weiter und meint: „Die Hitze macht den Fischen nichts aus. Wichtig ist, dass das Gewässer fließt. Nachts kühlt es sich ab und selbst bei niedrigem Wasserstand kommt es an vielen Stellen zu Sauer-stoffeinträgen.“ Außerdem hätten die meisten Fische keine Probleme mit hohen Temperaturen zwischen 28 und 30 Grad Celsius. Die Hasel, der Aland, der Karpfen und Schleie könnten zum Beispiel sogar bis zu 35 Grad Celsius aushalten. „Die Fische entwickeln Strategien und können sogar Sauerstoffkonzentrationen unter 1,5 Milligramm pro Liter ertragen“, sagt der Experte. Gefährlich werde es nur, wenn es zu plötzlichen Stark­regen kommt. Dann kann durch eingespültes organisches Material der Sauerstoff schnell aufgebraucht sein.

Sachsen-Anhalt hat wegen des Niedrigwassers alle 14 Tage eine Messung aller ökologisch wichtigen Werte in der Elbe angesetzt. Mathias Weiland vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft zur letzten Messung: „Das Wasser ist sauberer als beim Niedrigwasser 2013 und alles ist in Ordnung.“ Weil die Elbe aktuell vor allem nur vom Grundwasser gespeist wird, befinden sich auch weniger Schwebstoffe darin. Und es ist kühler, weil die Sonne das fließende Wasser langsamer aufheizt als in Seen.