Magdeburg l Eine Frau und ein Mann liegen eng umschlungen auf einem flauschigen Teppich mit vielen Kissen. Sein Kopf liegt auf ihrer Schulter. Sie streichelt langsam seine Unterarme. Die beiden sind kein Paar. Die Frau ist die Profi-Kuschlerin Kristin Zabel. Der Mann ist ihr Klient.

Seit 2018 ist Kristin Zabel professionelle Kuschlerin. Von einer Bekannten erfuhr Zabel, dass es diesen Beruf tatsächlich gibt. „Ich fand es abgefahren, es hat mich nicht mehr losgelassen“, sagt die 29-Jährige. Für sie ist Kuscheln ein Weg, anderen zu helfen. Bevor es ans Streicheln geht, müssen die Regeln festgelegt werden.

Bikinizone ist nicht erlaubt

Küsse sind verboten, das Anfassen in der Bikinizone ist auch nicht erlaubt – und Sex ist absolut tabu. Beide Kuschel-Teilnehmer bleiben bekleidet. Sollte jemand die Grenzen überschreiten, bricht Kristin Zabel sofort ab. Manch ein Kunde fragt aber, ob er sie am Po streicheln dürfe. Darauf reagiert sie gelassen. „Ich akzeptiere den Wunsch, sage aber bestimmt Nein.“ Doch was ist, wenn ein Klient doch erregt wird? „Dann spreche ich das an und wechsle die Position.“

Doch warum buchen sich einige sogar eine professionelle Kuschlerin? Vielen fehlt es an Kuschelpartnern. Sie stecken in einer Lebenskrise, haben den Job verloren, sich vom Partner getrennt. Einigen fehlt es an Berührungen in der Beziehung. 80 Prozent ihrer Kunden sind Männer. Denn Frauen nehmen sich öfter in den Arm. Klienten jeden Alters kommen zu ihr: Von Anfang 20 bis in Rentneralter. „Ganz viele wollen jemanden spüren, sind dankbar für diese Nähe“, sagt Kuschlerin Zabel. Bisher seien nahezu alle Klienten glücklich nach Hause gegangen.

Weiterhin kann es den Blutdruck senken, Entzündungen hemmen und Stress regulieren. Viele verbinden mit Kuscheln Sexualität und setzen daher das Profi-Kuscheln mit Prostitution gleich. Schließlich wird dafür auch Geld bezahlt.

Kein Sex

Vor allem in der heutigen, recht unpersönlichen Gesellschaft. Die meisten wollen sich beim Kuscheln vor allem mitteilen. „Es ist gut, wenn sich Menschen treffen, um mit­einander Nähe auszutauschen“, meint Voß.