Daten & Fakten zu Werben in der Altmark

Das Städtchen Werben ist die drittkleinste Stadt Sachsen-Anhalts und zählt mit seinen rund 1000 Einwohnern zu den 20 kleinsten Orten mit Stadtrecht in Deutschland. Darüber hinaus ist Werben nach eigener Beschreibung die kleinste Hansestadt der Welt.

Im Jahr 1358 wurde Werben Mitglied der Hanse und blieb es bis zum Bierkrieg mit Kurfürst Johann Cicero 1488.

Mit geschichtlicher Sicherheit wird die „Burg Werben“ im Jahre 1005 zum ersten Mal erwähnt. Kaiser Heinrich II. hielt in dem genannten Jahre hier einen Reichstag mit den Wenden ab. Die Verleihung des Stadtrechts (1151) ist Albrecht dem Bären zu verdanken. Er war es auch, der nach einer Pilgerfahrt ins Heilige Land (1160) in der Stadt eine Johanniter-Komturei anlegte. Die Stadt Werben verfügt über die älteste Gründung des Johanniterordens auf norddeutschem Boden.

Alle Teile der Sommer-Serie:

1. Germanen in Zethlingen

2. Der Fischer vom Arendsee

3. Magdeburg von der Elbe aus entdecken

4. Heiligtum Pömmelte

5. Waldschutz in Jemmeritz

6. Rosarium Sangerhausen

7. Der Höhenzug Huy

8. Fahrzeugmuseum Staßfurt

9. Der Schlosspark von Harbke

10. Werben an der Elbe

Werben l Werner Eifrig liebt die Natur. Und so lässt er bei seiner täglichen Runde durch die Hansestadt Werben den nur wenige Schritte vom Elbtor entfernten Deichabschnitt nicht aus, um den Blick über die Elbwiesen schweifen zu lassen. Er zeigt auf zwei etwa 100 Meter vom Deichkörper entfernte alte Weiden. „Das ist mein Lieblingsmotiv“, sagt Eifrig, der nach seinem Studium nach Werben kam und die Gärtnerei übernahm, die er viele Jahre leitete.

Das Baum-Paar fällt aufgrund seiner Einzigartigkeit auf und würde zu jeder Jahreszeit ein schönes Bild abgeben, erzählt der 72-Jährige. Oft hat Eifrig seinen Fotoapparat im Gepäck, um das Weiden-Duo, mal mystisch wirkend bei dunklen Wolken, mal majestätisch bei Sonnenschein, festzuhalten. Wendet der Betrachter den Kopf um 180 Grad zur anderen Seite, präsentiert sich Werbens Silhouette mit Elbtor und der alles überragenden St.- Johannis-Kirche, die für jeden Tourist, der auf dem durch die Stadt führenden Elberadweg nach Werben gelangt, ein Muss sei. „Seit Juni sind es wieder sehr viele Radler, die unterwegs sind“, kommt der Naturliebhaber oft mit den radelnden Gästen ins Gespräch. Werner Eifrig nimmt mich mit auf einen Rundgang durch das über 1000-jährige Städtchen, das die kleinste Hansestadt der Welt sei.

Fantastische Schätze

Nur einige Meter hinter dem Deich führt eine kleine Gasse zur Salzkirche. Als Kapelle 1313 erbaut, wurde sie später Salzlager und Spritzenhaus. Das Gebäude dient auch als Ausstellungsraum. Vis-à-vis der Salzkirche macht er auf ein Häuschen aufmerksam, auf das an der Promenade 1. „Hier hab ich die ersten Wochen, als ich in Werben ankam, gelebt“, blickt Eifrig zurück. Dass das Haus aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde, freut ihn besonders. Ein Berliner Ehepaar restaurierte es, öffnet es auch zu bestimmten Anlässen. Neben liebevoll sanierten Fachwerkhäusern in der Stadt gebe es auch einige „Baustellen“, wie Eifrig die Immobilien nennt, die auf eine Modernisierung warten. Leerstehende Häuschen, die auch gesichert werden müssten – darum kümmert sich der Arbeitskreis Werbener Altstadt (AWA), in dem er auch im Vorstand tätig ist. Nur einige Meter von der Salzkirche entfernt zeigt der Markt sein Gesicht, auf dem nur wenig Verkehr herrscht. Die Stille vom Deich findet sich auch in der Stadt wieder. Das Rathaus mit seinem zweiseitigen Treppenaufgang ist oftmals Anlaufpunkt der „Touris“, die sich nach den Sehenswürdigkeiten oder nach Pensionen erkundigen würden.

Bilder

Werner Eifrig zieht es auf den Kirchplatz. Dort, wo einige Räder der Besucher stehen. Ein Großteil nimmt St. Johannis in Augenschein, und andere stärken sich im Café Lämpel, das im Biedermeierstil eingerichtet wurde. Die Biedermeier-Zeit spiele für das Städtchen eine bedeutende Rolle. Seit 2004 finden Christmärkte auf dem Areal an der Kirche statt, ohne Strom, mit viel Liebe zum Detail. Der Biedermeier-Sommer wurde zwei Jahre später eingeführt, beide Märkte sind Publikumsmagneten. Das Café Lämpel ist ein Projekt des Arbeitskreises Werbener Altstadt, das nur mit viel Engagement der Akteure zu meistern sei. Die Einrichtung befindet sich in der 300 Jahre Alten Schule, die bereits mehrere Sanierungsetappen hinter sich hat. Werner Eifrig packt stets fest mit an, streicht Wände und hilft bei anderen diversen Arbeiten, so dass Cafe-Chefin Irmgard Gellerich bezogen auf das Gebäude zu ihm sagt: „Das ist doch dein Baby.“

47 Meter hoher Turm

Die Kirche gegenüber der Alten Schule beeindruckt den gebürtigen Sachsen immer noch. „Die Größe und die in ihr zu sehenden Kunstschätze sind einfach fantastisch.“ Der 47 Meter hohe Backsteinturm ist von weitem sichtbar. Aber das Gotteshaus, das seinen Ursprung im 12. Jahrhundert hat – überwiegend stamme der Bau aus der gotischen Zeit –, ist nicht nur von außen imposant, im Innern können die Gäste vieler Reichtümer in Augenschein nehmen. Eifrig kennt sich mit der Geschichte von St. Johannis gut aus, da er schon sehr oft die Offene Kirche als Ehrenamtlicher unterstützte, Besucher in der Kirche begrüßte und deren Fragen beantwortete. Ob die mittelalterlichen Glasmalereien, der um 1430 entstandene Schnitzaltar, der Dreifaltigskeitsalter von 1500, das vom Hamburger Rotgießer Hermen Bonstede geschaffene Taufbecken, der 2,90 Meter hohe fünfarmige Standleuchter und viele andere Kunstschätze können entdeckt werden. Die hochgotische Backsteinkirche St. Johannis repräsentiere die nord­deut­sche und insbesondere die altmärkische Bau­tradition.

Ältester Profanbau

Auf der Nordseite der Kirche verweist Werner Eifrig auf ein großen, aus mehreren Gebäuden bestehenden Komplex: Das frühere Komturei-Gelände, die sogenannte Domäne, hat eine sehr lange Geschichte. Die Stadt verfügt über die älteste Gründung des Johanniterordens auf norddeutschem Boden. Und ist deshalb für die Provinzialsächsische Genossenschaft des Johanniterordens von großer Bedeutung. Das auf diesem Areal rechts stehende Backsteingebäude wird aktuell saniert. Es ist das Romanische Haus. Das vom Johanniterorden errichtete Gebäude sei nicht nur der älteste Profanbau im Elbstädtchen, sondern auch in Norddeutschland. „Nach Untersuchungen soll es nicht, wie zunächst angenommen, als Kapelle genutzt worden sein, sondern als Aufbewahrungsort für Schätze, Urkunden und als Rückzugsort für die Ordensleute bei Gefahr. Es wird nun denkmalgerecht saniert“, erzählt Eifrig.

Vom Kirchplatz biegen wir in die Straße „Schadewachten“ ein, in der sich ebenfalls einige liebevoll restaurierte Fachwerkhäuschen befinden. Der Berliner Jochen Großmann konnte vom Kauf überzeugt werden. Auch da hatte Werner Eifrig seine Hände im Spiel, um es etwas salopp auszudrücken. Großmann fühlt sich in Werben wohl. „Er bereichert auch unsere Stadt“, betont Eifrig. Der Professor für Gesang an der Universität der Künste in Berlin leitet die Geschicke des Gemischten Chores an der Elbe.

Der Deich und die Elbe wirken wie ein Magnet. Werner Eifrig zieht‘s wieder dorthin. Dieses Mal nimmt er das Rad, um eine größere Runde zu drehen. Über den malerisch gelegenen Ortsteil Räbel. Auch dort trifft er auf viele Radlerinnen und Radler ...