Magdeburg l Seit Jahren stehen Sachsen-Anhalts 48 Krankenhäuser im harten Wettbewerb. Da das Land seine Fördergelder zurückgefahren hat, müssen die Kliniken ihre Ausgaben selbst erwirtschaften. Für jeden Fall bekommen sie von den Krankenkassen eine Pauschale. Wer mehr operiert, kassiert mehr. Für eine Kniegelenk-OP gibt es 7600 Euro, für die Hüfte 6700 Euro. Das Resultat: Nahezu jedes Krankenhaus bietet eine möglichst breite Palette an. Dementsprechend groß ist der Bedarf an Fachärzten, Pflegern und neuester Technik. Die zersplitterte aber hoch gerüstete Kliniklandschaft ist teuer. Der Investitionsstau wird auf 2,5 Milliarden Euro beziffert. Zugleich sank der Auslastungsgrad der Betten von 82 Prozent (Jahr 2000) auf derzeit 74 Prozent. Zudem plagt auch die Kliniken der Nachwuchsmangel.

Land und Bund sehen nur einen Ausweg: die Häuser sollen kooperieren und teure Eingriffe auf Zentren konzentrieren - während die Grundversorgung von Blinddarm bis Armfraktur wohnortnah abgesichert wird. Ende des Jahres will Sachsen-Anhalt seinen neuen Krankenhausplan vorlegen. Eines ist schon klar: Der Druck wächst.

Eine Fusion möglich

Erste Kliniken reagieren. So haben in Magdeburg das Städtische Klinikum und das Universitätsklinikum in dieser Woche zwei Kooperationsprojekte besprochen. So ist ein gemeinsame Sterilisations-Zentrale für mehr als 10 Millionen Euro geplant. Dort werden vom Skalpell bis zum OP-Sieb alle Materialien keimfrei gemacht. Beide nehmen zudem den Aufbau einer großen OP-Ambulanz in der Stadtmitte in Angriff. Dort werden dann etwa 6500 kleinere Eingriffe im Jahr erledigt. Derzeit läuft dies noch stationär. Das ist deutlich teurer als in einer Ambulanz. „Das ist die Nagelprobe für eine Zusammenarbeit“, sagt Stadtklinikums-Geschäftsführer Knut Förster. Er hält selbst eine Fusion für möglich, wenn sich die Kooperation gut entwickelt.

Auch auf dem Lande bewegt sich etwas. Der Betreiber Ameos will an den Kliniken neben der Grundversorgung auch ein Zentrum etablieren. So könnten schwerere Fälle künftig konzentriert an jeweils einer Klinik behandelt werden anstatt wie bisher parallel in fünf Häusern. Im November soll die neue Struktur mit den Chefärzten und der Pflege geplant werden, sagt Lars Timm, Ameos-Chef Ost.

Große sind besser

Bei schweren Eingriffen ist nachgewiesen: Kliniken mit hohen Fallzahlen liefern die höhere Qualität. Wohnortnähe ist da nicht entscheidend. Der Bund hat für schwerste Eingriffe daher Mindestmengen vorgegeben. Beim Knie etwa 50 OPs im Jahr. Eine aktuelle Bertelsmann-Studie zeigt aber: 50 Prozent von Sachsen-Anhalts Kliniken haben die Vorgaben nicht erreicht. Sie müssen mit härteren Sanktionen rechnen. Zudem fordern Kassen höhere Mindestmengen. Kleine Kliniken dürften dann keine schweren OPs mehr vornehmen. Aber was bedeutet das? Die Zusammenhänge werden hier erläutert.