Wernigerode l Am Ende waren es fast schon dramatische Momente: Schnee, Verwehungen und heftiger Wind auf dem Brocken. Selbst die Brockenbahn mit ihren tonnenschweren Dampfmaschinen musste kapitulieren: Nichts geht mehr bei der Bahn. Brockenwirt Daniel Steinhoff musste schließlich einspringen, um 65 Besucher, die im Bahnhof feststeckten, mit Kleinbussen talwärts zu chauffieren. Auch Feuerwehren waren im Einsatz.

Schon am Morgen hatte der Blick aus dem Fenster verraten, dass es kein Ausflugswetter werden würde. Ungeachtet dessen haben sich am gestrigen Dienstag zahlreiche Touristen auf den Weg zum Brocken gemacht - per Pedes und mit der Harzer Schmalspurbahn (HSB). Während die erste beiden Züge noch ungehindert den 1141 Meter hohen Harzgipfel erreichten, blieb der Mittagszug kurz vor dem Ziel  stecken.

Der Gleisabschnitt zwischen Wetterwarte und dem Felsmassiv Teufelskanzel gilt bei orkanartigen Schneestürmen wie dem gestrigen als gefürchtete Windecke. Meterhoch türmte sich dort m Dienstag der verwehte Schnee. Der Lokführer musste kapitulieren, eine Einfahrt auf Gleis 1 am Brockenbahnhof war unmöglich. Für rund 60 Reisende im Zug begann das Warten, während im Bahnhof etwa ebenso viele Menschen in der Gaststätte ausharrten, um mit der Brockenbahn den Rückweg ins Tal anzutreten.

Orkanböen erschweren Rettung

Für die enorm aufwändige Räumaktion, die von Orkanböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 135 Kilometern pro Stunde erschwert wurde, schickte die HSB eine Schneefräse zum Brocken. Das Ansinnen: Die Gleise bergab zu räumen. Das funkionierte: Der Zug wurde geteilt, drei Waggons fuhren am späten Nachmittag mit den Steckengebliebenen zurück nach Schierke und Wernigerode.

Ein Räumbagger versuchte, die Strecke bis zum Brockenbahnhof freizuschaufeln. Weil das nicht ausreichte, wurde eine weitere Lok nach oben geschickt. Obendrein begann der Kampf mit Schaufeln und allem verfügbaren Räumgerät. Trotzdem saß der Zug weiter im Schnee fest.

Für zusätzliches Chaos sorgte gegen 16.45 Uhr eine Durchsage, dass in fünf Minuten der letzte HSB-Zug fahre. Die Wartenden verließen die Gaststätte und gingen in die Schalterhalle. Minuten später schloss die Gaststätte ihre Türen. Und von einem Zug war weit und breit nichts zu sehen.

Notruf vom Brocken leitet Rettung ein

Angesichts der unklaren Situation griff um 17.49 Uhr ein Wartender zum Handy und wählte den Notruf. Damit lief auch in der Rettungsleitstelle das Programm an. Zunächst wurde bei Brockenwirt Daniel Steinhoff und den Verantwortlichen der HSB die Lage gecheckt. Als klar war, wie prekär die Situation tatsächlich war, organisierte die Leitstelle Rettung. Die Verantwortlichen  in der Stadtverwaltung Wernigerode wurden alarmiert.

Als die Eckdaten feststanden, lief die Evakuierung an. Steinhoff, der sofort seine Hilfe mit Allrad-Transportern angeboten hatte, besorgte drei weitere Fahrer. Die Feuerwehr Schierke bekam Unterstützung aus den Fuhrparks der Ortswehren Benzingerode, Wernigerode sowie Minsleben und Silstedt.

Die ersten 35 der insgesamt 65 Gestrandeten konnten gegen 18.45 Uhr endlich aufatmen. Sie wurden in Schierke zum Café Winkler gebracht. Dort warteten die Feuerwehr sowie ein Rettungswagen, um sich um etwaige Verletzte und die Kinder zu kümmern. Nach Angaben der Leitstelle war jedoch keinerlei ärztliche Hilfe notwendig. In Schierke nahmen fast alle Betroffenen die Offerten des öffentlichen Nahverkehrs an und fuhren mit einem Linienbus nach Wernigerode.

Während in Schierke Wehrleiter Ronny Schuck die Fäden in den Händen hielt, managte Brockenwirt Daniel Steinhoff  den Transport. Für ihn war es selbstverständlich, hier zu helfen: "Es ist doch die Pflicht eines Wirtes, Gäste wieder heil ins Tal zu bringen."