Brocken l Klima wie in den Hochalpen oder auf Island, mehr Wind als irgendwo sonst in Deutschland und metergroße Eisablagerungen – sie machen den Brocken im Norden Mitteleuropas einzigartig. Diese Verhältnisse faszinierten seine Vorgänger schon früh, berichtet Marc Kinkeldey, aktueller Chef der Wetterwarte auf dem Harzgipfel. Die erlebte eine wechselvolle Gesschichte:

  • 1836 beginnt Brockenwirt Eduard Nehse, Wind, Niederschlag, Luftdruck und Temperatur zu messen. Die Instrumente dafür werden im Gasthaus auf dem Gipfel untergebracht. Seitdem gibt es fast ununterbrochen gesicherte Wetteraufzeichnungen vom höchsten Berg Norddeutschlands. 1850 übernimmt Nachfolger Emanuel Köhler die Aufgabe.
  • 1886 entwickelt der preußische Meteorologe und Klimatologe Gustav Hellmann seinen bis heute verwendeten Niederschlagsmesser – und auf dem Brocken eine spezielle Variante des Gerätes fürs Gebirge. Dieser Edelstahl- oder Zinkblech-Zylinder hat eine größere Auffangfläche als die üblichen Regenmesser, um durch Wind verwehtes Wasser oder Schneeaufnehmen zu können.
  • 1895 richtet der Magdeburger Meteorologe Richard Aßmann auf dem Brocken ein Observatorium für die Wetterfrösche ein. Die ersten Baumängel zeigen sich in der extremen Witterung schon nach wenigen Jahren. Deshalb wird 1914 ein Neubau mit Küche, Bad und Speisekammer bezogen, der wie die heutige Wetterwarte aus Granit mit Holzverkleidung errichtet wurde. „Schon damals wurde das Wetter hier oben rund um die Uhr beobachtet“, berichtet Kinkeldey.
  • 1936 baut die Reichspost einen Fernsehsender auf. Dadurch werden die Messergebnisse der Wetterwarte verfälscht. Deshalb wird bis zum Frühjahr 1937 die bis heute erhaltene Station im Südosten des Gipfelplateaus neben dem Brockengarten gebaut. „Die Eingangstür ist noch original“, so Kinkeldey.
  • 1945 besetzen US-amerikanische Truppen den Brocken. Die Wetterbeobachter müssen zum Kriegsende weichen. Bei ihrem Abzug 1947 zerstören die Soldaten große Teile der Messinstrumente und der Ausrüstung in der Station. Im September des Jahres zieht der Meteorologe Kurt Glaß mit seiner Mitarbeiterin und späteren Frau Elfriede Neumann von der Schneekoppe auf den Brocken. Sie bauen die Wetterwarte wieder auf, die 1950 zu einer Station erster Ordnung des Meteorologischen Dienstes der DDR wird.
  • 1989 führt eine Sternwanderung zur Öffnung der Grenzanlagen auf dem Brocken. Seither ist die Wetterwarte wieder für Besucher geöffnet und gehört seit der Wiedervereinigung zum Deutschen Wetterdienst (DWD).
  • 1997 wird die Brocken-Station renoviert und erhält ihr heutiges Erscheinungsbild.
  • 2010 kürt der DWD die Wetterwarte zu einer von bundesweit zwölf Klimareferenzstationen. „Das heißt: Zu den sogenannten Klimaterminen um 7, 14 und 20 Uhr ermitteln wir täglich händisch mit Quecksilberbarometer, Gebirgsniederschlagsmesser und Aspirationschronometer die Wetterdaten“, erläutert Marc Kinkeldey. So ließen sich die Werte bis 1880 zurück vergleichen – und Abweichungen zu den elektronischen Messungen feststellen. Diese Kontrolle fällt mit der Automatisierung weg. Zudem testen die Wetterdiensttechniker auf dem Brocken für Forschungseinrichtungen wie das Bremer Fraunhofer-Institut oder eine Universität in Schweden. „Diesen Winter probieren wir Speziallackierungen für Schiffsrümpfe aus, die in der Arktis eingesetzt werden sollen“, blickt Kinkeldey voraus.