Magdeburg l Der Windanlagenbauer Enercon hat eine umfassende Neuausrichtung angekündigt, mit der bis zu 3000 Jobs wegfallen sollen – die Hälfte davon in Magdeburg. Enercon-Chef Hans-Dieter Kettwig zeigt sich beim Krisentreffen am Mittwoch in Hannover hartleibig. Die Maßnahmen, die jetzt angepackt werden könnten, kämen zu spät: „Die Messe ist gelesen.“ Die Verlagerung der Produktion von Rotorblättern ins Ausland, mit der der Jobabbau zusammenhängt, sei alternativlos.

In der Windindustrie herrscht Flaute. Im ersten Halbjahr 2019 wurden rund 150 Anlagen neu errichtet – etwa 80 Prozent weniger als im Vorjahr. „Es bricht etwas weg, was wir nicht auffangen können“, sagt der Enercon-Geschäftsführer.

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) fordert beschleunigte Genehmigungsverfahren. Er wolle auch das Gespräch mit Naturschutzverbänden suchen, denn: „Die strengen Naturschutzregeln sind kontraproduktiv.“ Den von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) geplanten Mindestabstand von 1000 Metern zwischen Windrädern und Wohnsiedlungen lehnt er ab: „Das ist eine zu starre Vorgabe.“

Am 18. November werden in Magdeburg Gespräche mit Enercon fortgesetzt. Sollte es tatsächlich zum in dieser Höhe befürchteten Stellenabbau kommen, müsse über Sozialpläne und Transfergesellschaften geredet werden, sagt Willingmann. Zugleich betont er, angesichts des Fachkräftemangels hätten Enercon-Mitarbeiter gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Axel Weber, Geschäftsführer der IG Metall Magdeburg-Schönebeck, kritisiert Enercon. Das Unternehmen nehme keine Verantwortung für die Region wahr: „Das ist eine Schande.“

Enercon hatte für den Stellenabbau die Energiepolitik der Bundesregierung mitverantwortlich gemacht. Die Bundesregierung will bis 2030 den Ökostrom-Anteil beim Stromverbrauch zwar auf 65 Prozent steigern. In den ersten neun Monaten lag er bei rund 43 Prozent. Doch die Zeiten, in denen Deutschland der größte Markt für Windkraftanlagen in Europa war, sind vorbei. Im ersten Halbjahr kam der Ausbau der Windkraft an Land fast zum Erliegen. Als Hauptgründe der Branchenkrise gelten wenige Flächen, lange Genehmigungsverfahren und Klagen von Bürgerinitiativen.