Lutherstadt Wittenberg l Batteriesysteme entwickeln und herstellen, die den Strom aus erneuerbaren Energiequellen möglichst effizient speichern: Das schreibt sich das Gründer-Duo vor sechs Jahren auf die Fahnen und entwickelt buchstäblich in der Garage eine eigene Technologie zur Batteriesteuerung, die dafür sorgt, dass sich Zellen optimal be- und entladen. Damit legen die „Tesvolt“-Ingenieure den Grundstein für den Erfolgskurs ihres Unternehmens, das jüngst beim Innovationspreis „Top 100“ zum „innovativsten Mittelständler Deutschlands“ in seiner Größenklasse gekürt wird. Die Wittenberger Firma überzeugt laut Jurybegründung mit „einer rasanten Entwicklung, einer agilen Organisationsform und der innovativen Technologie der Stromspeicher“. Die „Tesvolt“-Gründer hätten den Bedarf für leistungsfähige Energiespeicher früh erkannt.

Daniel Hannemann, Kaufmännischer Geschäftsführer und Mitgründer, sagt: „Wir haben uns von Anfang an auf Speicher mit einer hohen Kapazität konzentriert, weil Industrie und Gewerbe einfach in vielen Ländern den höchsten Energieverbrauch haben.“ Inzwischen produziert „Tesvolt“ in Europas erster Gigafactory für Gewerbespeicher in Serie Stromspeichersysteme in mehreren Größenklassen. Die Speicherkapazität reicht von 9,6 Kilowattstunden bis in den Megawattbereich. Mehr als 1000 Kunden weltweit nutzen die patentierten Energiespeichersysteme bereits.

Corona schürt Nachfrage

Mit Beginn der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Stromspeichern gestiegen, die bei Netzausfällen den nötigen Notstrom liefern, sowie nach Off-Grid-Speichern, die nicht ans Stromnetz angeschlossen sind – für Regionen, die zu weit vom öffentlichen Stromnetz entfernt liegen. Das Auftragsvolumen hätte sich im Vergleich zum Vorjahresquartal fast verdreifacht, schätzt Daniel Hannemann. Sukzessive will „Tesvolt“ nun die Produktionskapazität steigern. Das junge Unternehmen verwendet für seine Stromspeicher besonders leistungsfähige und sichere prismatische Batteriezellen von Samsung SDI und steuert sie durch das selbst entwickelte, intelligente Batteriemanagementsystem. Am Ende führt das dazu, „dass unsere Speicher sehr wirtschaftlich sind und eine erwartete Lebensdauer von 30 Jahren haben. Sie passen immer, egal, ob Hoch- oder Niedrigvolt, On- oder Off-Grid“, so der Geschäftsführer. Alle Speicher ließen sich zudem mit regenerativen Energiequellen kombinieren, aber auch mit einem Blockheizkraftwerk oder Brennstoffzellen.

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Damit punktet der Wittenberger Hersteller aktuell in Nordrhein-Westfalen, wo am Autobahnknotenpunkt Kreuz Hilden Europas größter Ladepark für Elektrofahrzeuge entsteht. „Tesvolt“ liefert für die Speicherung des Stroms aus erneuerbaren Energien Container mit einer Gesamtkapazität von zwei Megawattstunden. Der grüne Strom für die Ladeplätze soll von einer großen Photovoltaik-Anlage auf den Dächern der Carports und von zwei Windkraftanlagen kommen und in den Wittenberger Batteriespeichern „zwischengelagert“ werden. Zusätzlich sollen sie „grünen“ Strom aus dem Netz speichern, wenn er besonders günstig ist – und das Netz entlasten, wenn mehr Strom darin ist, als abgenommen werden kann.

Die Stromspeicher aus Sachsen-Anhalt werden künftig 114 Ladeplätze versorgen. Am Standort, der von einem Bio-Bäcker betrieben werden soll, entstehen auch Bürogebäude und Gastronomie mit Bio-Backstube und ein vertikales Gewächshaus. Im August soll der erste Bauabschnitt mit etwa der Hälfte der Ladesäulen eingeweiht werden. „Das ist genau unser Ding, dieses Projekt ist ganzheitlich gedacht. Elektromobilität macht einfach am meisten Sinn, wenn die E-Autos mit erneuerbarer Energie geladen werden“, sagt Daniel Hannemann.