Magdeburg l Im Zusammenhang mit dem Überfall auf eine S-Bahn am Haltepunkt Barleber See im Sommer vergangenen Jahres ist jetzt ein erstes Urteil gefällt worden. Das Amtsgericht Magdeburg sprach den 33-jährigen Magdeburger Tom P. wegen des schweren Landfriedensbruchs in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und zusätzlich wegen Sachbeschädigung für schuldig.

Wie Gerichtssprecher Christian Hoppe am Dienstag erklärte, wurde er zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten verurteilt. Die Vollstreckung der Freiheitsstrafe sei aber zu drei Jahren Bewährung mit Arbeits- und Meldeauflagen ausgesetzt worden. Seine Zeit der Untersuchungshaft wird im Fall eines Bewährungsverstoßes auf die Gefängnisstrafe angerechnet. Hoppe: „Das Gericht setzte die Strafe zur Bewährung aus, weil der Angeklagte noch nicht vorbestraft war.“

Vermummt die S-Bahn gestoppt

Tom P. ist der erste von mehreren Verdächtigen, die am 11. August des vergangenen Jahres als Ultra des 1. FC Magdeburg vermummt die S-Bahn mit Reifen gestoppt und überfallen haben sollen. Die Angreifer zogen die Notbremse und versprühten Reizgas, so dass ein Fahrgast und zwei Bahnmitarbeiter verletzt wurden. Der Zug wurde komplett mit „FCM“ und den Buchstaben „APK“ besprüht. Die Angreifer versetzten mehr als 40 Fahrgäste in Angst und schrecken. Einige filmten sie. Die Sonderkommission „Maskenball“ der Bundespolizei konnte aufgrund der guten Zeugenhinweise und der Handybilder alle Verdächtigen ermitteln. Die letzte große Razzia gab es Mitte Dezember mit 150 Beamten der Bundespolizei in sieben Wohnungen von neun mutmaßlichen Hooligans.

Da diese erste Verurteilung im Zusammenhang mit einem fünf Tage späteren Sprayerangriff am Bahnhof Buckau in Magdeburg erfolgte, wurden vier weitere junge Männer für die dortige Tat zu Geldstrafen wegen Sachbeschädigung verurteilt.

Die weiteren Verdächtigen zum Überfall am Barleber See müssen nach Volksstimme-Informationen noch in den nächsten Wochen mit Anklagen rechnen. Wann dies erfolgen soll, ist aber noch unklar. Die Ermittlungen dazu sind noch nicht vollständig abgeschlossen.