Halle/Nürnberg (dpa/sa) - In Sachsen-Anhalt ist die Arbeitslosigkeit in der Corona-Krise deutlich angestiegen. Rund 91 600 Menschen waren im Mai arbeitslos gemeldet. Das waren 3700 Erwerbslose mehr als im April und 11 900 mehr als im Vorjahresmonat, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Halle am Mittwoch mitteilte. Die Arbeitslosenquote stieg demnach im Mai auf 8,2 Prozent. Das waren 0,4 Punkte mehr als im April und 1,1 mehr als im Vorjahr (7,1 Prozent). Normalerweise verzeichne der Arbeitsmarkt sowohl im April als auch im Mai einen Frühjahrsaufschwung.

Die meisten Arbeitslosenmeldungen von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kamen den Angaben nach aus der Zeitarbeit, dem Bereich wirtschaftsnaher Dienstleistungen, aus dem Handel, dem verarbeitenden Gewerbe und dem Gastgewerbe. Laut Regionaldirektion sind bei den Arbeitsagenturen im Mai weniger Anträge auf Kurzarbeit eingegangen als noch zu Beginn des Lockdowns.

Es sei aber zu früh, Entwarnung für den Arbeitsmarkt zu geben. Denn: Im Mai seien wesentlich mehr Menschen als im Vorjahresmonat entlassen und weniger eingestellt worden. Mit der Kurzarbeit sei es allerdings gelungen, einen noch stärkeren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu vermeiden, sagte Markus Behrens, Geschäftsführer der Regionaldirektion.

Im März und April waren bei den Arbeitsagenturen den Angaben nach 20 800 Anzeigen auf Kurzarbeit eingegangen, für 199 000 Beschäftigte. Im Mai gab es nur noch 1200 Anzeigen von Unternehmen für 16 600 Beschäftigte. Wie viele Firmen von der angemeldeten Kurzarbeit tatsächlich Gebrauch machen, sei noch unklar.

Unterdessen ist bundesweit die Zahl der Arbeitslosen im Mai im Vergleich zum April um 169 000 auf rund 2,8 Millionen Menschen gestiegen, die Arbeitslosenquote um 0,3 Punkte auf 6,1 Prozent, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahr gab es sogar 577 000 Arbeitslose in Deutschland mehr.

Nach Ansicht von Behrens wird sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt in den Sommermonaten wohl nicht gravierend verbessern. Zu den Folgen der Corona-Pandemie komme der saisonal übliche Abschwung hinzu. Hintergrund ist, dass sich Schulabgänger arbeitslos melden, bevor sie mit einer Berufsausbildung oder dem Studium beginnen. Etwas Licht sehe er für den Arbeitsmarkt, indem die Wirtschaft nach dem Lockdown wieder mehr freie Stellen melde.

Behrens appellierte an die Arbeitgeber, "nicht den Mut zu verlieren" und auszubilden. "Wir sind zwingend auf die jungen Menschen angewiesen", sagte er mit Blick auf die demografische Entwicklung. Es gebe bislang noch mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. Jeder Jugendliche habe Chancen, seinen Platz zu finden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte zugleich, zur Bewältigung der Corona-Krise massiv in Weiterbildung und Qualifizierung zu investieren - sowohl für Arbeitslose als auch für Beschäftigte.

Der Arbeitsmarkt im Mai in Sachsen-Anhalt

Informationen der Bundesagentur für Arbeit zum Kurzarbeitergeld für Beschäftigte

Informationen für Unternehmen zum Kurzarbeitergeld in der Corona-Pandemie

Der Arbeitsmarkt in Deutschland im Mai