Erfurt/Magdeburg (dpa/th) - Landesbischof Friedrich Kramer hält die Ausnahmen für Gottesdienste in der Pandemie trotz kritischer Stimmen aus den eigenen Reihen für richtig. "Hier geht es nicht um eine Extrabratwurst oder Sonderrechte", sagte der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Vielmehr gehe es darum, dass Menschen die Chance gegeben werde, gerade zum Weihnachtsfest bei den Gottesdiensten auch Frieden zu finden.

Allerdings räumte Kramer auch ein, dass über das Vorgehen längst keine Einigkeit bestehe. "Wir diskutieren unter leitenden Geistlichen, die das auch unterschiedlich sehen." Die einen kritisierten, dass die Kirche eine Sonderrolle einnehme, sich aber solidarisch mit anderen Bereichen zeigen müsste. Andere fragten: "Aber wenn es der Staat uns gerade einräumt, sollen wir das Recht dann nicht auch nutzen?" und verwiesen etwa auf die seelische Gesundheit der Menschen, so Kramer.

Unter strengen Auflagen sind im aktuellen Lockdown, mit dem die Corona-Pandemie eingedämmt werden soll, Gottesdienste erlaubt. Dagegen sind etwa viele Geschäfte, Kultureinrichtungen und auch Schulen geschlossen. Im Frühjahr hatte es zum höchsten Feiertag der Christen, an Ostern, keine öffentlichen Gottesdienste gegeben.

Kramer sieht derweil verschiedene nachhaltige Veränderungen, die die Corona-Krise in der Kirche angestoßen hat. "Die EKM hat durch die Pandemie einen Digitalisierungsschub bekommen", so Kramer. So habe es erstmals ein digitales Treffen des Kirchenparlaments gegeben. Für die wichtige Konstituierende Sitzung der Synode im kommenden Jahr hoffe er aber, dass man sich wieder direkt treffen können werde. Das sei besser für die Diskussionskultur, so Kramer.

Im kommenden Jahr plane er auch, die Seelsorge der Kirche genauer zu betrachten und gegebenenfalls Veränderungen anzustoßen. Gerade die Pandemie habe die Bedeutung der Unterstützung von Menschen in Lebenskrisen weiter unterstrichen.

Schwierig stelle sich 2021 die finanzielle Situation der EKM dar. Wie für das laufende werden auch für das kommende Jahr Einbrüche bei den Kirchensteuereinnahmen erwartet. "Ich garantiere, dass wir versuchen, Entlassungen zu vermeiden", sagte Kramer mit Blick auf die Finanzen. Der Rotstift werde aber an einigen Stellen angesetzt werden müssen. Besonders schwierig sei die Lage zudem für Tagungshäuser der Kirche, die 2020 quasi kaum Einnahmen und nur Ausgaben hatten.

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