Dessau-Roßlau (dpa/sa) - In Dessau-Roßlau ist am Dienstag an den Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Polizeizelle in Dessau vor 15 Jahren erinnert worden. An einer Kranzniederlegung nahmen dazu am Vormittag rund 20 Menschen vor dem Polizeirevier teil. Am Nachmittag zogen rund 650 Demonstranten durch die Stadt und forderten die Aufklärung der Vorgänge am 7. Januar 2005. Die Polizei hatte im Vorfeld bis zu 1000 Teilnehmer erwartet.

Am 7. Januar vor 15 Jahren war der Asylbewerber aus Sierra Leone in einer Dessauer Polizeizelle ums Leben gekommen. Wie genau es zum Tod des Mannes kam, konnte auch bei zwei Landgerichtsprozessen nicht geklärt werden. Fest steht, dass Jalloh mit erheblichen Verbrennungen in einer Zelle des Polizeireviers Dessau gefunden wurde. Dort war er gestorben. Er war in Gewahrsam, weil ihm vorgeworfen wurde, mehrere Frauen belästigt zu haben.

Die Linke in Sachsen-Anhalt forderte neue Ermittlungen zum Tod Jallohs. Der Fall müsse politisch, juristisch und gesellschaftlich aufgearbeitet werden, betonte die innenpolitische Sprecherin der Fraktion, Henriette Quade, in Magdeburg. Die Todesumstände gelten trotz langer Gerichtsprozesse bis heute als ungeklärt. Laut einem Gutachten wurden an der Leiche des Mannes schwere Verletzungen wie Brüche im Schädelbereich festgestellt.

Zu der Demonstration hatte das Bündnis "Break the silence - Initiative in Gedenken an Oury Jalloh" aufgerufen, das sich seit Jahren für weitere Ermittlungen zum Tod Jallohs einsetzt. Auf der Auftaktkundgebung am Bahnhof stellte ein Redner den Fall in Zusammenhang mit Kolonialismus, Völkermord und Rassismus. Dies sei in Deutschland nicht überwunden. Staatsanwaltschaft und Polizei wurde Vertuschung vorgeworfen. Jalloh habe sich niemals selbst in der Polizeizelle anzünden können, als er dort an Händen und Füßen gefesselt auf einer Pritsche lag. In Sprechchören wurde wiederholt der Vorwurf geäußert, Jalloh sei von den diensthabenden Polizisten ermordet worden.