Erfurt/Halle (dpa/th) - Nach Ansicht der Diakonie Mitteldeutschland belastet die Corona-Pandemie die Obdachlosenhilfe zusätzlich. "Sich mal eine Stunde bei einem heißen Getränk in der Bahnhofsmission aufzuwärmen - dieser Bedarf ist jetzt im Winter stärker. Aber die Kontaktbeschränkungen bleiben ja trotzdem", sagte der Sprecher der Diakonie Mitteldeutschland, Frieder Weigmann der dpa. Die Obdachlosenhilfe lebe laut Weigmann von sozialen Kontakten, dem Arbeiten mit den Menschen. Vor diesem Hintergrund sei die Corona-Pandemie derzeit ein größeres Problem als der starke Wintereinbruch.

Die Diakonie Mitteldeutschland ist eine Wohlfahrtsorganisation der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und der Evangelischen Landeskirche Anhalts. Sie ist Trägerin etlicher Einrichtungen der Obdachlosenhilfe und umfasst nach eigenen Angaben weitgehend die Bundesländer Thüringen und Sachsen-Anhalt sowie kleinere Teile Brandenburgs und Sachsens.

In Mitteldeutschland, sagte Weigmann, sei die Situation nicht so schlimm wie in größeren Städten - etwa in Berlin, Hamburg oder Frankfurt. "In der Regel sind die Betroffenen bekannt. Oft kann über Notquartiere ausgeholfen werden."

Dennoch sei nicht ausgeschlossen, dass Obdachlose im Winter erfrieren, weil sie zum Beispiel betrunken oder unter Drogen draußen einschlafen. "Es ist durchaus legitim, jemanden anzusprechen oder die Polizei zu rufen", so Weigmann. Wenn man jemanden anspreche, bekomme man relativ schnell ein Gespür dafür, ob derjenige nur die kalte Luft genießt, oder ein Problem hat und Hilfe braucht.

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