Magdeburg (dpa/sa) - Kurz vor den nächsten Beratungen von Bund und Ländern zum weiteren Umgang mit der Corona-Pandemie hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff dafür geworben, bereits bestehende Regeln konsequenter umzusetzen. Beim Homeoffice, bei der Nutzung von Betriebskantinen und bei der täglichen Mobilität der Menschen gebe es noch "enormes Potenzial", um das Infektionsrisiko zu senken, sagte der CDU-Politiker am Montag dem Deutschlandfunk. Ein weiteres Herunterfahren der Wirtschaft beurteilte Haseloff kritisch. Die Kosten für die Bewältigung der Pandemie und die Impfungen könnten nur mit einer funktionierenden Kernwirtschaft bezahlt werden, sagte er weiter.

Parallel dazu warnten auch sachsen-anhaltische Vertreter des Handwerks und der bisher kaum eingeschränkten Bauwirtschaft davor, den Lockdown auf weitere Branchen auszuweiten. Am Dienstag kommen sowohl die schwarz-rot-grüne Landesregierung als auch die Regierungschefs von Bund und Ländern zusammen, um über die aktuelle Coronalage zu diskutieren.

Die Baustellen müssten offen bleiben, mahnte am Montag der Hauptgeschäftsführer des sachsen-anhaltischen Baugewerbeverbands, Giso Töpfer. Es sei kontraproduktiv erst dann wieder zu bauen, wenn alle anderen Bereiche wieder hochgefahren würden. Zudem müssten Baubetriebe für Notfälle wie Rohrbrüche, Sturmschäden und ähnliches bereitstehen. Auch das Handwerk warnte davor, den Baubetrieb einzuschränken. Bisher sei dort die Lage auch für die Handwerksunternehmen nicht so dramatisch, sagte der Präsident der Handwerkskammer Magdeburg, Hagen Mauer. Ein Arbeitsverbot für die Branche würde das Geschehen stark beeinträchtigen, zugesagte Fristen für Bauprojekte wären hinfällig.

In Ländern wie Irland und Großbritannien sorgen Mutationen für ein rasantes Infektionsgeschehen. Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die vielerorts auch nach monatelangen Beschränkungen weiterhin angespannte Infektionslage kamen Forderungen nach einem harten Lockdown für alle Wirtschaftsbereiche, eine Pflicht zum Tragen von Filtermasken des Typs FFP2 bei bestimmten Alltagsgeschäften sowie ein Herunterfahren des öffentlichen Nahverkehrs auf, um die Zahl der Neuansteckungen wieder auf ein kontrollierbares Maß zu drücken.

Nach Einschätzung von Regierungschef Haseloff deutet sich eine positive Entwicklung an. Es müsste an bestimmten Stellen nachgeschärft werden, damit das Geschehen in Deutschland nicht eine ähnliche Entwicklung nehme wie in Irland und anderen europäischen Ländern, sagte Haseloff.

Tatsächlich deutete die neue Übersicht des Gesundheitsministeriums am Montag an, dass sich die Lage etwas beruhigt. Nach dem Jahreswechsel war die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen und der Corona-Toten in Sachsen-Anhalt rasant gestiegen. Von Sonntag auf Montag meldete das Ministerium jetzt 420 neue Nachweise des Erregers Sars-CoV-2.

Damit wurde in den vergangenen sieben Tagen bei 243,7 von 100 000 Sachsen-Anhaltern das Virus nachgewiesen. Am Montag vor einer Woche lag dieser Anteil auf einem ähnlichen Niveau (244,4). Auf den Intensivstationen mussten laut Übersicht 194 Covid-Patienten behandelt werden, das waren 12 weniger als vor einer Woche.

Im Vergleich zum Vortag meldeten die Gesundheitsämter 15 weitere Todesfälle. Seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 starben damit 1207 Männer und Frauen in Sachsen-Anhalt mit einer Infektion. 275 dieser Sterbefälle wurden in den vergangenen sieben Tagen gemeldet. Insgesamt sind den sachsen-anhaltischen Behörden 43 850 Corona-Fälle bekannt, jeder fünfte Betroffene (8876 Menschen) ist nach Expertenschätzungen derzeit noch aktiv infiziert.

Parallel dazu werden Hochbetagte sowie Beschäftigte in Kliniken und Pflegeheimen weiterhin gegen das Coronavirus geimpft. Laut Gesundheitsministerium bekamen bisher knapp 33 150 Männer und Frauen eine erste Dosis. 679 Menschen wurden schon die zweite Dosis verabreicht, sie verfügen somit über den vollen Impfschutz.

Im Kreis Stendal nahm am Montag die zentrale Anlaufstelle ihren Betrieb auf. Zum Start des Impfzentrums seien alle angemeldeten Männer und Frauen zu ihren Terminen erschienen, sagte eine Kreissprecherin. Bis Mitte März seien für jeden Tag 36 Termine vergeben worden. Bis Ende Januar solle feststehen, wie auch weniger mobile Menschen über 80 Jahre abseits des Impfzentrums versorgt werden könnten. Voraussetzung sei, dass es mehr Impfstoff gebe.

Reiner Haseloff im Interview des Deutschlandfunks

Übersicht des Robert Koch-Instituts zu aktuellem Impfstand nach Bundesländern

Mitteilung des Sozialministeriums zur aktuellen Corona-Infektionslage