Frankfurt (Oder) (dpa)- Die Kritik von Menschen in Ostdeutschland, in der Gesellschaft nicht genügend abgebildet zu werden, kann der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), teilweise nachvollziehen. "Ein bisschen verstehe ich das", sagte er der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Beispielsweise seien die Medien stark westdeutsch geprägt. Kulturelle Erfahrungen, Situationen und Stimmungslagen könnten in den alten Bundesländern häufig nicht ganz nachvollzogen werden.

"Die Ostdeutschen haben die kollektive Erfahrung, dass ein politisches System aber auch eine Wirtschaft komplett scheitern kann", sagte Hirte. Es gebe eine viel größere Skepsis gegenüber der Stabilität "unseres politischen und ökonomischen Systems".

Einen weiteren Grund für die Unzufriedenheit der Ostdeutschen sieht Hirte auch in den persönlichen Erfahrungen der Menschen nach dem Mauerfall. Es habe bei aller Euphorie auch eine konkrete Betroffenheit in Familien oder im Bekanntenkreis gegeben. Beispielsweise, dass man trotz guter Ausbildung und obwohl man fleißig ist, trotzdem unter die Räder komme und sich mit Gelegenheitsjobs "durchwurschele", erklärte Hirte. Diese Brutalität, wie sie der Osten in den 1990er Jahren erlebt habe, habe es im Westen nicht gegeben.

Im Südwestrundfunk (SWR) hatte der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer gesagt, die CDU habe seiner Ansicht nach die Stimmungslage der Bürger im Osten nicht aufgegriffen. Seine Partei habe nicht zeigen können, dass sie deren Interessen im Blick habe.

Derzeit macht Hirte auf seiner Sommertour entlang der innerdeutschen Grenze in allen fünf Bundesländern in Ost- und Mitteldeutschland Station. Er besuchte bereits Städte wie Wismar, Eisenach, Mühlhausen und Frankfurt (Oder). Die Sommerreise dauert noch bis zum 25. August.