Halle (dpa/sa) - Auch in der Woche nach dem Terroranschlag von Halle ist die Anteilnahme groß: Zu einem ökumenischen Gedenkgottesdienst sind am Montagnachmittag Hunderte Menschen in die Marktkirche gekommen. "Die Tür hat gehalten - das ist das Wunder von Halle. Doch zwei Menschen mussten sterben - das ist die Wunde von Halle", sagte der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer. Auch der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorotzki, wandte sich mit bewegenden Worten an die Besucher. Er habe seit dem Anschlag mehr als 900 Beileidsbekundungen auf verschiedenen Wegen erhalten. Die Solidarität sei groß. Er las aus zwei E-Mails vor.

Auch Ministerpräsident Reiner Haseloff und Innenminister Holger Stahlknecht (beide CDU) sowie der Oberbürgermeister der Stadt Halle, Bernd Wiegand (parteilos), nahmen an dem Gedenken teil. Vor der vollen Marktkirche wurde der Gottesdienst für weitere Gäste übertragen. Verschiedene Geistliche erinnerten an die beiden Getöteten sowie an die Verletzten, Traumatisierten und die Mitglieder der jüdischen Gemeinde und zündeten für sie Kerzen an.

Am vergangenen Mittwoch hatte ein schwer bewaffneter Mann versucht, in die mit mehr als 50 Gläubigen besetzte Synagoge zu gelangen. Als das scheiterte, erschoss er eine 40 Jahre alte Frau und kurz darauf einen 20 Jahre alten Mann in einem nahen Dönerladen. Auf seiner Flucht verletzte der Schütze ein Ehepaar schwer. Ein 27-jähriger Deutscher hat die Tat aus antisemitischen und rechtsextremen Motiven gestanden. Er sitzt in Untersuchungshaft.