Halle (dpa/sa) - Nach der Gewalttat in Hanau mit elf Toten sind am Donnerstagabend Hunderte Sachsen-Anhalter auf die Straße gegangen, um ihre Solidarität und ihr Mitgefühl mit den Opfern zu zeigen. Rund 350 Menschen versammelten sich am Abend in Halle zu einer Schweigeminute und einer anschließenden Demonstration. Im Oktober hatte dort ein Rechtsextremist versucht in eine Synagoge einzudringen und anschließend zwei Menschen erschossen. Auch beim Täter von Hanau sehen die Behörden deutliche Hinweise auf ein rassistisches Motiv.

Zu der Kundgebung auf dem Marktplatz hatten Initiativen wie das Bündnis gegen Rechts aufgerufen. "Wir sind erschüttert und zutiefst betroffen, nicht zuletzt wegen der Ähnlichkeit zu Halle", sagte eine Sprecherin. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, sagte der dpa am Rande der Kundgebung, ideologisch habe Hanau die gleiche Ursache wie Halle, Hass und rechtes Gedankengut.

Zugleich kritisierten auf der Kundgebung mehrere Redner von Initiativen die Politik. Trotz aller Ankündigungen werde zu wenig getan, um Menschen vor derartigen Taten, wie sie auch erst vor vier Monaten in Halle begangen wurde, zu schützen. "Wir sind wütend, weil Betroffene seit Jahren über die Gefahren des Rechtsextremismus gesprochen haben und sie nicht ernst genommen worden sind", sagte eine Sprecherin. Auch die Gefahren des NSU seien unterschätzt worden.

Bei dem Anschlag in Hanau hatte ein Deutscher am Mittwochabend neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Anschließend soll der 43-jährige Sportschütze seine 72 Jahre alte Mutter und sich selbst getötet haben. Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Rechtsextremist bei dem Anschlag auf die jüdische Synagoge in Halle versucht, mehr als 50 Menschen in dem Gotteshaus zu töten. Als dies misslang, erschoss der Deutsche auf der Straße eine unbeteiligte 40 Jahre alte Frau und einen 20 Jahre alten Gast in einem nahen Dönerimbiss. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft.

In der Landeshauptstadt Magdeburg versammelten sich am Abend zunächst mindestens 400 Menschen am Bahnhof. Unter dem Motto "Rassismus tötet. Den rechten Terror stoppen" lief der Zug zunächst über den Hasselbachplatz zum "halber85", einem auch von der AfD genutzten Veranstaltungsraum. Mehrere Redner, darunter der Linken-Landeschef Stefan Gebhardt, verurteilten die Tat und forderten den Staat zu einem entschiedeneren Handeln gegen rechtsextreme Gewalt auf. "Alle zusammen gegen den Faschismus" und "Nieder mit der Nazi-Pest" skandierten die Teilnehmer.

Unter den Demonstranten waren auch einige Vermummte, die sich in Sprechchören als "autonome Antifa" bezeichneten und auch zu Gewalt gegen Rechtsextremisten aufriefen. In den Reihen dieser Gruppe wurde vereinzelt Pyrotechnik gezündet, verletzt wurde dabei nach Behördenangaben niemand. Die Polizei sprach von einer insgesamt friedlichen Veranstaltung. Nach etwa zwei Stunden löste sich die Veranstaltung am Westring auf.