Bitterfeld-Wolfen/Dresden (dpa) - Die Entwicklung der traditionellen Chemieregionen in Ostdeutschland ist aus Sicht des Dresdner Ifo-Instituts keine reine Erfolgsgeschichte. Derzeit liefen die Geschäfte der Unternehmen zwar gut und wüchsen, sagte der Ökonom und stellvertretende Institutschef Joachim Ragnitz der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings seien die meisten Betriebe reine Produktionsstätten und nicht mit der Stärke westdeutscher Standorte vergleichbar. Traditionell stark ist die Branche etwa in Leuna und Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt, in der Umgebung des sächsischen Riesa oder in Schwarzheide in Brandenburg.

Gerade die entscheidenden Abteilungen für Forschung und Entwicklung seien in den Konzernzentralen im Westen angesiedelt, sagte Ragnitz. "Da besteht zudem die erhöhte Gefahr, dass die Produktion in günstigere Regionen abwandert, sobald die Werke abgeschrieben sind."

Nach dem Fall der Berliner Mauer vor 30 Jahren war die Zahl der Chemie-Beschäftigten in Ostdeutschland binnen drei Jahren von etwa 190 000 auf 86 000 gesunken. Vor 20 Jahren waren es nur noch rund 40 000. Nach Angaben des Branchenverbands VCI arbeiten aktuell rund 57 000 der bundesweit 440 000 Mitarbeiter in Ostdeutschland.