Halle (dpa/sa) - Nach Ansicht des Konjunkturexperten des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller, stellen Sanktionen gegen Russland gesamtwirtschaftlich keine unverhältnismäßig starke Belastung dar. So machten die Exporte nach Russland den Angaben zufolge im Jahr 2018 etwa zwei Prozent der gesamten deutschen Exporte aus. Im Mittel der vergangenen 20 Jahre waren es knapp 2,4 Prozent, erklärte Holtemöller am Dienstag. Andere Handelspartner seien quantitativ deutlich wichtiger. Allerdings gebe es regionale Unterschiede.

"Der Osten ist insgesamt zwar nur wenig stärker in Russland engagiert als der Westen, aber für einzelne Unternehmen können die Beeinträchtigungen gravierend sein", erklärte IWH-Vizepräsident Holtemöller. Dabei sei jedoch zu berücksichtigen, dass nur ein Teil der Exporte von Sanktionen betroffen ist. "Man darf auch nicht vergessen, dass die Sanktionen gegen Russland zeitlich mit einem deutlichen Rückgang des Ölpreises zusammenfielen", erklärte er. Auch ohne Sanktionen wären die Exporte nach Russland aufgrund niedrigerer russischer Kaufkraft spürbar zurückgegangen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte mit seiner Forderung nach einem Ende der Russland-Sanktionen eine heftige Kontroverse ausgelöst.

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle