Memleben (dpa/sa) - Fast sieben Jahrtausende alte Funde aus der Steinzeit sowie mittelalterliche Artefakte sind bei Grabungen im Klosterkomplex in Memleben (Burgenlandkreis) zum Vorschein gekommen. "In einem Graben aus der mittelalterliche Klosterzeit fanden sich keramische Siedlungsreste aus der Zeit der Stichbandkeramik vor 6900 bis 6600 Jahren. Die Stücke waren in den Graben umgebettet worden", sagte Grabungsleiter Holger Grönwald am Dienstag. Die Funde belegen demnach, dass die Region seit rund 7000 Jahren besiedelt war.

Im 10. Jahrhundert gab es in Memleben eine Kaiserpfalz und ein Kloster. Der erste deutsche Kaiser Otto der Große (912-973) starb in Memleben, ebenso wie sein Vater Heinrich I. (876-936). Die riesigen Umrisse der ersten Klosterkirche von 80 Metern Länge und 39,5 Meter Breite sind noch heute zu sehen. In Memleben wird seit 2017, jeweils mehrere Wochen im Jahr, gegraben.

"Insgesamt wurden in diesem Jahr rund 2200 Funde, das meiste aus dem Mittelalter, geborgen", sagte Grönwald. Dazu gehören Steine für Fenster- und Türeneinfassungen sowie ein Altarweihestein. Zudem wurden eine Kupfermünze sowie ein menschlicher Fingerknochen und ein Zahn gefunden. Die menschlichen Überreste belegen indirekt später umgebettete Bestattungen im Kreuzgangbereich und Klostergarten. "Die Funde und Befunde erweitern den bisherigen Kenntnisstand hinsichtlich des Kirchenbaus und der Klostergeschichte wesentlich. Wir wissen jetzt genau, wo die Wirtschaftsgebäude, beispielsweise die Küche des Klosters, lagen. Dazu gab es ja keine Pläne", sagte Grönwald.

Der Grabungsort liegt im nördlichen Bereich der Kirche des 10. Jahrhunderts und westlich der an der Klosterkirche des 13. Jahrhunderts liegenden Klausur. Er umfasst eine Fläche von 10 mal 11 Meter.

An der Grabung beteiligten sich in diesem Jahr 16 Studenten. Die Grabung ist ein Kooperationsprojekt der Universität Halle, der Stiftung Kloster Memleben und des Landesmuseums Halle "Das Projekt wird im nächsten Jahr fortgesetzt", sagte Grönwald.

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