Magdeburg (dpa/sa) - Die oppositionelle Linke hat Sachsen-Anhalts Regierungschef beim Umgang mit der Corona-Pandemie Verantwortungslosigkeit und unsouveränes Handeln vorgeworfen. "Ministerpräsident Haseloff weist jegliche Verantwortung angesichts der hohen Infektions- und Todeszahlen in Sachsen-Anhalt von sich", sagte die Fraktionsvorsitzende im Landtag, Eva von Angern, am Mittwoch. Stattdessen suche er die Schuld bei denjenigen, die sich infiziert haben.

"Seit Wochen sind die Menschen in Sachsen-Anhalt zum größten Teil diszipliniert und erfüllen, unter teilweise schweren individuellen Belastungen, die Maßnahmen des Landes zur Eindämmung der Pandemie," stellte von Angern fest.

Regierungschef Rainer Haseloff (CDU) hatte am Dienstag nach einer Kabinettssitzung die Verschärfung der Corona-Regeln unter anderem damit begründet, dass die Menschen nicht genügend Abstand gehalten hätten. Wenn sie nicht verstünden, dass sie selber zum überwiegenden Teil die Verantwortung dafür tragen, was mit ihnen geschieht, seien auch dem Staat irgendwann die Hände gebunden. Pfleger und medizinisches Personal hatte er davon ausdrücklich ausgenommen.

Von Angern kritisierte das scharf. "Jetzt - zum Höhepunkt der Pandemie - die Disziplinlosigkeit und das Unvermögen des Einzelnen anzumahnen und leichthin vom "Ende des Staates‘ öffentlich zu philosophieren, ist eine Bankrotterklärung für einen Landeschef und fern von jedem souveränen, verantwortungsbewusstem Handeln", sagte die designierte Linken-Spitzenkandidatin. "Fehleinschätzungen der Landesregierung in der Pandemie können geschehen, sie müssen aber ehrlich benannt werden".

Die CDU wies die Vorwürfe zurück und griff die Linke ihrerseits an. "Das ist schäbig und offenbart die wahre Gesinnung einer irrlichternden und geradezu verzweifelten Spitzenkandidatin", sagte Interims-Parteichef Marco Tullner am Mittwoch zu den Vorwürfen. "Mangels eigener Themen und Konzepte wird eine der schwierigsten Herausforderungen für unser Gemeinwesen für vordergründige parteipolitische Profilierungen genutzt", sagte Tullner. Die CDU sei dankbar, mit Haseloff "einen besonnen und verantwortungsbewussten Ministerpräsidenten zu stellen, mit dem Sachsen-Anhalt bestmöglich durch die schwerste Krise seiner Geschichte gesteuert werden kann."