Halle/Magdeburg (dpa/sa) - In Sachsen-Anhalt ist erstmals die besorgniserregende südafrikanische Variante des Coronavirus nachgewiesen worden. In Halle haben sich zwei Verdachtsfälle bestätigt, wie Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) am Samstag mitteilte. Beide Menschen hätten direkten Kontakt zu Infizierten in Leipzig gehabt, bei denen die Virusmutation nachgewiesen worden sei. Um sie zu schützen, wurden weder Geschlecht noch Alter genannt.

Unterdessen infizieren sich in Sachsen-Anhalt weniger Menschen mit dem Coronavirus. Die Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen erreichte am Sonntag laut Sozialministerium in Magdeburg mit 213,78 den geringsten Stand der vergangenen zwei Wochen. Dennoch gehört Sachsen-Anhalt wie das Nachbarland Thüringen zu den Ländern mit dem meisten Infektionen bundesweit. Schwerpunkt bleibt der Burgenlandkreis, für den das Land eine Inzidenz von 471,36 auswies.

Das Robert Koch-Institut errechnete Stand Sonntag Mitternacht für Sachsen-Anhalt eine Sieben-Tage-Inzidenz von 197,7 aus, nur Thüringen lag mit 207,6 darüber. Die bundesweite Infektionsrate wurde mit 111,1 angegeben. Die Daten des RKI weichen von den Länderangaben unter anderem ab, weil sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten erhoben werden.

Die beiden mit dem mutierten Virus Infizierten aus Halle befinden sich laut Amtsärztin Christine Gröger in häuslicher Quarantäne. Der Krankheitsverlauf unterscheide sich nicht wesentlich bis gar nicht von dem bislang im Land verbreiteten Coronavirus. Eine Sprecherin des Sozialministeriums bestätigte, dass es sich um die ersten beiden bekannten Fälle mit dem veränderten Virus in Sachsen-Anhalt handelt.

Die zuerst in Südafrika entdeckte Variante B.1.351 steht im Verdacht, ansteckender zu sein als der Wildtyp des Coronavirus Sars-CoV-2. Es sind in Deutschland auch schon zwei andere Virus-Mutationen aus Großbritannien und Brasilien nachgewiesen worden.

Die mutierten Coronaviren bereiten Experten große Sorgen, weil sie wie eine zweite Pandemie wirken könnten. Innerhalb kürzester Zeit könnten sich viel mehr Leute infizieren, hatte Virologe Christian Drosten am Freitag erklärt. Im schlimmsten Fall könnten es weit mehr als die bislang bekannten Höchststände sein. Im Moment sei aber schwer zu sagen, ob sich die deutschen Infektionszahlen durch Mutationen veränderten.

Halles Amtsärztin Christine Gröger erklärte am Sonntag, es gebe neben den zwei bestätigten Fällen bislang keine weiteren Verdachtsfälle. "Im Moment gibt es keine Verdachtsfälle, ausgeschlossen ist natürlich nichts und wir werden jeden Tag bei den Recherchen sicherlich wieder neue Dinge erfahren." Gröger wies darauf hin, dass die Abstands- und Hygieneregeln besonders sorgsam eingehalten werden müssen.

In Leipzig war zuerst bei einer Frau das mutierte Virus ausgemacht worden. Die Stadt selbst hatte zum Wochenende acht weitere Infektionen mit der besonders ansteckenden Mutation gemeldet. Halle und Leipzig sind nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Es gibt viele Pendler zwischen den Städten.

Von Montag an gelten im fortdauernden Lockdown einige neue Regeln. So dürfen Sachsen-Anhalter nur noch mit OP- oder FFP2-Maske öffentliche Verkehrsmittel nutzen und einkaufen gehen. Textile Masken dürfen dafür nicht mehr benutzt werden. Andernorts dürfen sie weiter verwendet werden. Neu ist auch, dass sich Familien nun gegenseitig bei der Kinderbetreuung unterstützen dürfen. So können Kinder aus zwei Haushalten gemeinsam betreut werden. Grundsätzlich bleiben die strengen Kontaktregeln bestehen. Mitglieder eines Haushalts dürfen sich mit höchstens einer weiteren Person treffen.

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Informationen der Stadt Halle zum Infektionsgeschehen

Pressemitteilung Sozialministerium zu den Fallzahlen vom 24.1.2021

RKI Überblick über das Infektionsgeschehen

RKI zu Virusvarianten