Hannover (dpa) - Die angeschlagene Norddeutsche Landesbank (NordLB) legt am Donnerstag (11.00 Uhr) ihre Geschäftszahlen vor. Mit Spannung wird erwartet, ob sie sich auch detailliert zu ihrer Neuausrichtung äußert. Am Vortag hatten ihre Träger der Bankenaufsicht in Frankfurt/Main ihr neues Geschäftsmodell präsentiert. Niedersachsens Finanzminister von der CDU, der NordLB-Aufsichtsratschef Reinhold Hilbers, hatte am Vortag nach einem Gespräch mit der Bankenaufsicht in Frankfurt bereits die Grundzüge des neuen Geschäftsmodells skizziert.

Demnach soll die Bank künftig mit 3250 statt wie bisher 5500 Mitarbeitern auf eine Bilanzsumme von 95 Milliarden Euro kommen. Kern des Geschäftsmodells sollen das Firmenkundengeschäft, die Immobilienfinanzierung und das Agrarbanking sowie - in Abgrenzung zu den Sparkassen - das Privatkundengeschäft sein. Die Deutsche Hypo bleibe Bestandteil der NordLB. Auch Teile der Flugzeugfinanzierung würden in der Bank bleiben, aber in reduziertem Umfang.

"Wir werden uns von den Schiffskrediten insgesamt trennen in den nächsten Jahren", sagte Hilbers. Er sprach von einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren. Auch das überregionale Kommunalgeschäft falle weg. Obwohl noch einige Fragen offen sind, soll bis August der Weg frei sein für Refinanzierung und Neuausrichtung.

Die NordLB hatte wegen des schwierigen Geschäfts bei Schiffsfinanzierungen Milliardenverluste verzeichnet. Am späten Mittwochabend hatte die NordLB mit Blick auf die nötigen Finanzspritzen mitgeteilt, dass sich ein "Gesamtkapitaleffekt" von bis zu 3,635 Milliarden Euro ergeben würde. Bisher hatten die Eigentümer den Kapitalbedarf für das Institut aus Hannover dem Vernehmen nach auf rund 3,5 Milliarden Euro geschätzt. Den größten Teil müssen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt schultern, die Sparkassengruppe den Rest.

Nach Angaben der NordLB ist geplant, die Kapitalquoten durch eine Barkapitalzufuhr in Höhe von 2,835 Milliarden Euro zu stärken. Daran sollen sich Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zusammen mit insgesamt 1,7 Milliarden Euro beteiligen. 1,135 Milliarden sollen nach derzeitigem Stand vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) und von den Trägersparkassen zur Verfügung gestellt werden. Geplant sei zudem, dass Niedersachsen "zusätzliche kapitalentlastende Maßnahmen" von bis zu 800 Millionen Euro bereitstelle.

Angesichts hoher Kosten für den Umbau gehe der Vorstand "zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass das Geschäftsjahr 2019 mit einem Verlust abgeschlossen" werde, hieß es in der Mitteilung weiter.

Beim Verband Deutscher Reeder (VDR) stoßen die Pläne auf Unverständnis. "Wieder verabschiedet sich eine Bank aus der für die maritime Wirtschaft so wichtigen Schiffsfinanzierung - noch dazu ein Institut, welches sich auch künftig als in Norddeutschland verankert sieht", teilte VDR-Präsidiumsmitglied Ralf Nagel am Mittwoch mit. Er fürchtet um tausende Arbeitsplätze.