Halle (dpa/sa) - Wegen der Corona-Pandemie erinnert die Jüdische Gemeinde Halle in diesem Jahr in einer Online-Gedenkstunde an die ermordeten und vertriebenen Juden in Europa. "Inhaltlich wird sie sich nicht von den jährlichen Jom-ha-Shoah-Gedenkstunden unterscheiden", betonte der Gemeinde-Vorsitzende Max Privorozki am Freitag. Dieser Tag sei für die jüdische Gemeinschaft enorm wichtig.

Dabei geht es um den nationalen israelischen Gedenktag für die sechs Millionen Juden, die im Holocaust ermordet wurden. "Der Gedenktag beginnt nach der jüdischen Tradition mit Sonnenuntergang am 27. Nissan des hebräischen Kalenders und endet am darauffolgenden Abend", heißt es auf der Internetseite der israelischen Botschaft in Berlin.

In Halle sollen auch in diesem Jahr sechs Gedenkkerzen angezündet und die Namen der Juden aus dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts verlesen werden, die von den Nazis in den Jahren der Shoah getötet wurden. Eigentlich hätte die Gedenkveranstaltung am Jerusalemer Platz in Halle beginnen sollen.

Nun starte am Dienstag ab 17.00 Uhr auf der Facebook-Seite der Jüdischen Gemeinde die Übertragung. "Viele Kinder und Jugendliche nahmen an den Vorbereitungen zu diesem Streaming teil", heißt es. Die Veranstaltung werde aus mehreren Videobotschaften und einigen Live-Beiträgen zusammengestellt.

Die Jüdische Gemeinde in Halle war im Oktober Ziel eines antisemitisch motivierten Terrorangriffs geworden. Ein schwer bewaffneter Deutscher hatte versucht, die Synagoge der Gemeinde am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur zu stürmen. Als dies misslang erschoss der Täter eine Passantin vor dem Gotteshaus und einen jungen Mann in einem Dönerimbiss.