Magdeburg (dpa/sa) - Mitten in der Corona-Pandemie mit geltenden Beherbergungsverboten hat Sachsen-Anhalts Landesregierung ihr Konzept für die Weiterentwicklung des Tourismus vorgestellt. Binnen sieben Jahren sollen ambitionierte Rekordwerte bei der Übernachtung erreicht werden, wie Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) bei der Vorstellung des "Masterplans Tourismus 2027" am Dienstag sagte. Dabei wolle das Land mehr auf seine Aushängeschilder setzen und sich einen Namen als Natur- und Kulturreiseland machen. Die derzeitige Strategie zum Tourismusmarketing läuft zum Jahresende aus.

DIE BILANZ: Sein wichtigstes Tourismusziel hat Sachsen-Anhalt erreicht: Bereits im Jahr 2017 übersprang die Zahl der Übernachtungen die gesetzte Marke von acht Millionen. Voriges Jahr wurden dank des Festjahres zu 100 Jahren Designschule Bauhaus dann 8,6 Millionen Übernachtungen von 3,6 Millionen Gästen gezählt. Nachholbedarf hat das Land vielen Branchenkennern zufolge jedoch bei der Attraktivität für ausländische Gäste.

DER PLAN: Für die kommenden sieben Jahre hat Willingmann das Ziel noch höher gesteckt: Bis 2027 soll die Marke von elf Millionen Übernachtungen im Jahr geknackt werden. Damit müsste das Land seinen aktuellen Rekord aus dem vergangenen Jahr um mehr als ein Viertel beziehungsweise 2,4 Millionen übertreffen. "Das ist nochmals eine ordentliche Steigerung, aber aus unserer Sicht ein realistisches Ziel", sagte Willingmann. Dafür sollen mehr Familien sowie ausländische Gäste für Sachsen-Anhalt begeistert werden.

DIE STRATEGIE: Im Zentrum der Touristenwerbung sollen die Aushängeschilder des Landes stehen. Das Land will gezielter die Welterbestätten, das Bauhaus, die Himmelsscheibe von Nebra, den Gästemagnet Harz und den Elbe-Radwanderweg bewerben, wie Willingmann aufzählte. Die Aufmerksamkeit solle nicht mehr so breit gestreut werden wie bisher. Geht die Strategie auf, dann soll Sachsen-Anhalt als Natur- und Kulturreiseland wahrgenommen werden. Auch klimabewusstes Reisen werde als Thema gesetzt.

DIE AKTUELLE LAGE: Derzeit geht im Gastgewerbe wenig bis nichts. Zum zweiten Mal nach dem Frühjahr wurde für die Branche die weitgehende Schließung angeordnet, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Parallel arbeiten Bund und Länder immer noch an den Details, wie den Betroffenen entgangene Umsätze erstattet werden sollen.

Die Gästerekorde der vergangenen Jahre rücken mithin in weite Ferne. Bis Ende August wurden 30 Prozent weniger Übernachtungen gezählt als im Vorjahr. Der Wirtschaftsminister geht davon aus, dass das Minus auch am Jahresende in dieser Größenordnung ausfallen wird. Allerdings gebe der Sommer auch Hoffnung: Im August habe es ein leichtes Übernachtungsplus von 0,5 Prozent gegeben, getragen durch den Inlandstourismus. An diese Tendenz müsse angeknüpft werden, sobald sich die Lage normalisiere. Der SPD-Politiker geht davon aus, dass das kommendes Jahr der Fall sein könnte.

DIE KRITIK: Um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, müsste in der Corona-Krise erst einmal überhaupt die touristische Infrastruktur erhalten bleiben, argumentiert die Linke im Landtag. Wichtiger als ein Masterplan für 2027 wäre, jetzt notwendige Hilfen bereitzustellen. Als Beispiel nannte die Oppositionspartei die angekündigten Umsatz-Entschädigungen für November sowie zusätzliche Hilfen für besonders hart getroffene Unternehmen der Reise- und Veranstaltungsbranche.

Auch die FDP dringt auf schnelle Unterstützung. Wenn die zugesagte Hilfe nicht schnell ankomme oder nicht reiche, um die Unternehmen über den Winter zu bringen, dann brauche es bald einen neuen Masterplan, sagte Partei-Vize Lydia Hüskens. "Der dann wohl - so traurig es ist - an den Neuaufbau nach der Wende erinnern wird."