Dessau-Roßlau (dpa/sa) - Die Tat hat Empörung und Demonstrationen in Roßlau ausgelöst: Nun muss sich ein 27-Jähriger wegen der ihm vorgeworfenen Vergewaltigung einer Neunjährigen auf den Elbwiesen verantworten. Beim Prozessauftakt am Freitag wollte sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen äußern. Er mache von seinem Schweigerecht Gebrauch, erklärte sein Verteidiger. Der Mann ist wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, Vergewaltigung und Körperverletzung angeklagt. Zudem muss er sich wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten, weil er ein Butterflymesser im Rucksack dabei hatte.

Das Mädchen sei traumatisiert, sagte der Nebenklageanwalt, der die Familie des Mädchens vertritt. Die Neunjährige habe körperliche und psychische Probleme. Sie verspüre den Drang, sich häufig zu waschen, habe Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen. Sie gehe nicht mehr allein in die Öffentlichkeit.

Laut der Anklage war die Neunjährige am 9. Juni dieses Jahres mit einem Teddy im Arm zum Spielen auf die Elbwiesen gegangen. Der Angeklagte, der aus Niger stammt, habe sie von einer Bank aus beobachtet und sich entschlossen, sie zu missbrauchen. Er folgte ihr mit einem Fahrrad und sprach sie an. In der Folge berührte er sie, zog sie aus, bedrohte, würgte und vergewaltigte sie. Laut Staatsanwaltschaft ließ er auch nicht von ihr ab, als sie ihn trat und kratzte.

Die Vorsitzende Richterin appellierte am Freitag mehrfach an den Angeklagten, sich eine Aussage doch zu überlegen. Es seien Spuren am Kind gefunden worden und ein Geständnis wirke strafmindernd. Zudem würde er dem Mädchen so eine belastende Aussage zum Tatgeschehen ersparen. Der Angeklagte folgte dem Prozess aufmerksam, ließ sich aber nicht auf erklärende Worte ein.

Nachdem der Fall bekannt geworden war, hatte es in Roßlau Demonstrationen gegeben, an denen sich auch Leute aus dem rechten Spektrum beteiligten. Ins Gericht waren am Freitag nur wenige Zuschauer gekommen.

Am kommenden Dienstag wird der Prozess fortgesetzt, es sind noch Verhandlungstage bis Mitte September geplant.

Mitteilung des Landgerichts Dessau-Roßlau mit Details zum Prozess