Magdeburg (dpa/sa) - Jana L., die der Halle-Attentäter beim Anschlag vom 9. Oktober 2019 vor der Synagoge getötet hat, starb wenige Sekunden nach den Schüssen auf sie. Die tödlichen Verletzungen, die der Schütze der 40-Jährigen mit Schüssen in Rücken und Nacken zufügte, führen in weniger als einer Minute zum Tod, sagte der zuständige Gerichtsmediziner am Dienstag im Prozess.

Sowohl eine Verletzung an einer herznahen Vene als auch eine Verletzung der Luftröhre waren demnach tödlich. Zum Zeitpunkt dieser Verletzungen habe sie aufrecht gestanden, sagte der Gerichtsmediziner. Auf dem Tatvideo war zu sehen gewesen, wie der Attentäter kurz nach den ersten Schüssen zu der am Boden liegenden Frau zurückkehrte und erneut auf sie schoss. Nach dem Anschlag hatte es unter anderem Kritik an der Polizei gegeben, weil die ersten Beamten am Tatort nicht unmittelbar Erste Hilfe geleistet, sondern zunächst die Umgebung gesichert hatten. L. war laut Gutachten der Gerichtsmedizin zu dem Zeitpunkt schon tot.

Das Verfahren um den Anschlag läuft seit Juli. Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Mann versucht, die Synagoge von Halle zu stürmen, um dort am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ein Massaker anzurichten. Nachdem er nicht in das Gotteshaus gelangte, erschoss er vor der Synagoge die 40-jährige Jana L. und kurz darauf den20-Jährigen Kevin S. in einem Döner-Imbiss. Der 28 Jahre alte Deutsche Stephan Balliet hat die Taten gestanden und mit antisemitischen, rassistischen Verschwörungstheorien begründet. Der Prozess läuft vor dem Oberlandesgericht Naumburg, findet aus Platzgründen aber in Magdeburg statt.

Anders als bei Jana L. hatte das Tatvideo gezeigt, dass der zweite Tote, Kevin S., im Kiez-Döner nach den ersten Schüssen auf ihn noch lebte. Der Attentäter hatte den Imbiss danach kurz verlassen und war danach wieder gekommen. Auf dem Video war zu sehen wie S. schwer verletzt um sein Leben flehte, bevor ihn der Attentäter dann durch Schüsse in Herz und Lunge tötete.

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