Leipzig/Dessau-Wörlitz (dpa) - Er kam mit dem Zug, schüttelte viele Hände und informierte sich über die jüngere Geschichte: Prinz Charles (70) und seine Frau Camilla (71) haben am Mittwoch Leipzig besucht. Die begeisterten Fans mit Union-Jack-Fähnchen säumten den Weg, als das Thronfolgerpaar durch die Innenstadt lief. Charles und Camilla schüttelten zahlreiche Hände und sprachen mit Fans. Und zum Abschluss gab es für den vierfachen Großvater im Gartenreich Dessau-Wörlitz ein besonderes Geschenk.

Gutgelaunt scherzte der britische Thronfolger auf dem Leipziger Marktplatz mit Jugendlichen: Ob er denn nicht in der Schule sein müsse. Einer Passantin sagte er mit einem Augenzwinkern auf Deutsch: "Mein Deutsch ist schlecht." Eine Gruppe Jugendlicher kreischte: "Ich habe einen Royal angefasst!" Camilla schüttelte die meiste Zeit getrennt von ihrem Mann Hände und winkte in die Menge.

Viele Menschen gratulierten dem Prinzen zu seinem vierten Enkel, der unmittelbar vor dem Deutschlandbesuch am Montag zur Welt gekommen war. Der jüngste Spross der britischen Königsfamilie heißt Archie Harrison Mountbatten-Windsor, wie Prinz Harry (34) und Herzogin Meghan (37) am Mittwoch auf Instagram bekanntgaben.

Von Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) gab es bei einer Stippvisite im Gartenreich Dessau-Wörlitz auch ein Geschenk für den Großvater: Der Ministerpräsident überraschte diesen mit einem Baum für den Enkel, gezogen aus einer Eiche des Parks. Der Thronfolger selbst pflanzte in der Anlage eine Mehlbeere. Es war sein erster Besuch in Wörlitz. 1999 hatte der Naturfreund die Schirmherrschaft für den Schlosspark Wörlitz, der von englischen Gärten inspiriert ist, übernommen.

In Leipzig hatte Prinz Charles ernstere Töne angeschlagen. Knapp 30 Jahre nach der friedlichen Revolution in der DDR traf er Bürgerrechtler in der Nikolaikirche. Das Gotteshaus war 1989 ein Ausgangspunkt des Bürgerprotestes, der letztlich zum Zusammenbruch der DDR führte.

Der Prinz habe seine Bewunderung für den Mut der Freiheitskämpfer ausgesprochen, sagte einer der Mitorganisatoren der Proteste, Stephan Bickhardt, nach dem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur. Zivilgesellschaftliches Engagement bilde das Rückgrat der Gesellschaft, habe der Prinz beim Gespräch gesagt. Bickhardt wertete das Gespräch als "große Anerkennung" für die Menschen in Ostdeutschland. Im Anschluss an das Gespräch legten die Beteiligten weiße Rosen an einer Säule nieder, die an die Proteste im Herbst vor 30 Jahren erinnert.

"Ich habe einen sehr interessierten Mann erlebt", sagte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Gemeinsam mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte er das britische Thronfolgerpaar am Mittag bei Sonnenschein und leichten Windböen vor der Thomaskirche begrüßt. Die Messestadt war die zweite Station ihres Deutschlandbesuches.

Nach einem spontanen Bad in der Menge sang der Thomanerchor für das Thronfolgerpaar. Prinz Charles und Herzogin Camilla zeigten sich begeistert und klatschten nach dem Konzert in der Thomaskirche, in der sich auch das Grab ihres berühmtesten Kantors und Komponisten Johann Sebastian Bach befindet. "Die Kirche ist wundervoll, die Musik war fantastisch", sagte Camilla begeistert. Von der Pfarrerin der Kirche bekam sie ein T-Shirt mit der Aufschrift Bach für den jüngsten Spross der Königsfamilie geschenkt.

Nach einem Gruß vom Balkon des alten Rathauses zusammen mit Kretschmer und Jung, der die Amtskette angelegt hatte, trugen sich Charles und Camilla ins Goldene Buch der Stadt Leipzig sowie in das Gästebuch des Freistaats Sachsen ein. Später sprachen sie mit Jugendlichen aus Leipzig und der Partnerstadt Birmingham über nachhaltige Stadtentwicklung.

Nach den Stationen in Sachsen und Sachsen-Anhalt werden Charles und Camilla am Donnerstag in München und danach wieder in Berlin erwartet.

Charles war nach Angaben der britischen Botschaft seit seinem ersten Besuch 1962 mehr als 30 mal in Deutschland, teils auch privat. Leipzig hatte Prinz Charles zuletzt 1991 besucht, als er an einem Umweltseminar teilnahm. 1992 war seine Mutter, Queen Elisabeth, zu Besuch in Leipzig.