Halle (dpa/sa) - Für Vogelbeobachter ein besonderes Naturschauspiel: Rund 12 000 Kraniche machen derzeit Station rund um den Stausee Berga-Kelbra (Landkreis Mansfeld-Südharz). "In den nächsten Tagen können es bis zu 40 000 Kraniche werden. Sie brauchen die Pause um für den Weiterflug nach Frankreich noch mal Ruhe und Kraft zu sammeln. Das sind locker über 600 Kilometer, die sie dann in einem Ruck fliegen müssen", sagte Axel Schonert von der Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz der Deutschen Presse-Agentur. "Der Standort ist aufgrund der Flachwasserzonen ideal. So etwas gibt es südlich von Berlin in ganz Deutschland praktisch nicht."

Insgesamt geht die Kranichzeit bis Mitte November. "Bis Ende Oktober werden etwa 40 000 Kraniche hier Rast machen. Letztes Jahr war die Höchstzahl 42 000 Kraniche", sagte Schonert. "Aufgrund der milden Winter können mittlerweile ständig über den ganzen Winter rund 2000 Kraniche am Stausee beobachtet werden.

Am allerliebsten fressen sie auf Mais-Stoppeläckern die Körner. Dass die Kraniche hier Pause machen, wird verstärkt seit 20 Jahren beobachtet. Zudem dringt der Kranich als Brutvogel immer mehr in den Süden vor. "In Sachsen-Anhalt hatten wir 1970 die ersten drei Brutpaare. Mittlerweile haben wir über 700 Brutpaare", sagte der Ornithologe.

Der in Sachsen-Anhalt und Thüringen liegende See bei Kelbra ist laut Schonert einer von vier Kranich-Hotspots in Deutschland. Insbesondere die Insel Rügen und die Boddenlandschaft Vorpommerns sind wichtige Rastplätze. "Schätzungsweise zwischen 10 000 und 15 000 Kraniche verlassen Deutschland im Winter gar nicht mehr", sagte Schonert. Derzeit gebe es in Nord- und Ostdeutschland rund 9000 Kranich-Brutpaare. In Europa gibt es große Kranichpopulationen in Skandinavien, Polen und dem Baltikum.

Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz Sachsen-Anhalt