Magdeburg (dpa/sa) - Vier Wochen kein Essen im Restaurant, keine Urlaubsreise und keine Martinsumzüge in diesem November: Seit Mitternacht ist in Sachsen-Anhalt der vierwöchige Teil-Lockdown in Kraft. Bund und Länder wollen die sozialen Kontakte in Deutschland im November deutlich reduzieren, um die zuletzt rasant gestiegenen Corona-Zahlen möglichst vor der Adventszeit in den Griff zu bekommen.

So umfangreich wie die Corona-Einschränkungen im Frühjahr ist der Teil-Lockdown allerdings nicht: Neben Schulen und Kitas sollen auch andere Bildungsstätten sowie bestimmte Dienstleister während der befristeten Einschränkungen offen bleiben. Auch Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit und Seniorenbegegnungsstätten sollen geöffnet bleiben, das habe man aus dem Frühjahr gelernt, teilte die Landesregierung vorige Woche mit.

Auch alle Dienstleistungsbetriebe der Körperpflege wolle man weiterarbeiten lassen, sagte Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD). Dazu gehörten Kosmetiker ebenso wie Sonnenstudios und Fußpflege-Angebote. Geschlossen würden aber Theater, Museen, Konzerthäuser, Gedenkstätten, Freizeitparks und Kinos. Restaurants dürfen vorerst nur noch außer Haus verkaufen, Hotels nur noch Geschäftsreisende beherbergen. Überhaupt sollen Reisen ausbleiben.

Auch größere Veranstaltungen dürfen vorerst nicht mehr stattfinden. "Es gibt keine Veranstaltungen in den nächsten vier Wochen, es gibt keinen Geburtstag, es gibt keine Hochzeit", betonte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Auch die Umzüge am Martinstag fallen aus.

Bund und Länder hatten sich am vergangenen Mittwoch auf den Teil-Lockdown geeinigt, nachdem die Infektionszahlen im Herbst in ganz Deutschland wieder deutlich schneller gestiegen waren. Kritik an den Maßnahmen war unter anderem von den beiden Oppositionsparteien AfD und Linke gekommen. Beide Parteien hatten eine Sondersitzung des Landtags gefordert. Am Dienstag soll das Landesparlament schließlich zusammenkommen und die Einschränkungen diskutieren. Dabei soll Haseloff eine Regierungserklärung abgeben.

Die Kritik betraf vor allem die Bereiche, die nun schließen müssen. So waren weder in Restaurants noch in Hotels in Sachsen-Anhalt als Infektionsherde auszumachen gewesen. Die Landesregierung äußerte Verständnis für die Kritik und kündigte schnelle und unbürokratische Hilfe für betroffene Unternehmen an.

Die Entscheidung, welche Bereiche geschlossen werden, hätte aber nicht erstrangig mit dem dortigen Infektionsgeschehen zutun gehabt. Man habe in erster Linie Branchen geschlossen, die die Menschen dazu bewegten, ihre Wohnungen zu verlassen und sich zu treffen, hieß es aus der Magdeburger Staatskanzlei. Der Teil-Lockdown ist bis zum 30. November befristet. Danach soll Sachsen-Anhalt zu den vorigen Regelungen zurückkehren.