Halle (dpa/sa) - Die Kultur des Teilens ist ein Renner - egal ob bei Autos, Fahrrädern, Rollern, Kleidung oder Dienstleistungen. Die Bandbreite an Angeboten, was so alles gemietet und geteilt werden kann, ist riesig - zur Bestellung reichen meist einige Berührungen des Smartphones.

Zu den Vorteilen zählt aus Sicht vieler Befürworter dabei nicht nur, dass es praktisch ist. Das Teilen soll dazu beitragen, Konsum nachhaltiger zu gestalten. "Generell ist Sharing ein Baustein des Nachhaltigen Konsums", heißt es auch vom Umweltbundesamt mit Sitz in Dessau.

Wie stark die Umwelt dabei entlastet wird, hängt davon ab, wie man die Angebote nutzt. Maike Gossen vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung betont: "Man spart oder erhält sogar Geld - und das gibt man dann an anderer Stelle wieder aus." In manchen Fällen könnte dadurch sogar zusätzlicher Konsum entstehen.

Auf dem Sharing-Markt sind auch Konzepte aus Sachsen-Anhalt vertreten: So war das aus Halle stammende Online-Service Räubersachen vor zwei Jahren unter den Nominierten des Bundespreis Ecodesign. Ökologisch produzierte Kleidungsstücke und Schuhe für Säuglinge und Kleinkinder können hier gemietet werden.

Kleidung ist häufig in der Kritik, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Greenpeace fasste 2017 in einem Report über "Fast Fashion" zusammen: Obwohl die Schränke voll seien mit nie getragener Kleidung, kaufe jeder Deutsche pro Jahr etwa 60 neue Teile. Die Tragezeit sei aber nur noch halb so lang wie vor 15 Jahren.

Auch auf der Plattform Kilenda kann Mode für Kleinkinder geliehen statt gekauft werden. Die Magdeburger Firma wirbt auf ihrer Seite mit hochwertiger Kleidung, die auch ausgefallen sein kann: So kann dort für besondere Anlässe wie Hochzeiten oder runde Geburtstage etwa ein Strampler in Anzug-Look gemietet werden. Doch auch für Erwachsene ist das Angebot groß. Aber es geht auch ganz analog: Einmal im Monat findet in Halle eine Kleiderbörse statt. Dort werden Klamotten mitgebracht, von denen sich die Teilnehmer leichten Herzens trennen können und nehmen dafür neue Kleidungsstücke wieder mit nach Hause.

Es kann aber auch abseits von Mode viel geliehen werden. So gibt es nun auch in Halle einen Service, der ein Fahrradpaket anbietet. Das Unternehmen Swapfiets aus den Niederlanden verspricht: Wer monatlich einen bestimmten Betrag zahlt, bekommt ein Fahrrad auf Zeit - Reparaturen übernimmt die Firma und bringt im Zweifel gleich ein neues Rad vorbei, so das Versprechen.

Oft steht beim Teilen auch ein sozialer Aspekt im Vordergrund. Auf der Plattform nebenan.de sind neben Verkaufs-, Geschenk- Teil- und Mietangeboten auch oft Einladungen zu sozialen Events in der Nachbarschaft zu finden. Doch auch Dienstleistungen werden hier angeboten. Wer also noch dringend einen Umzugshelfer braucht, weil die Bekannten abgesagt haben, nachdem ihnen gesagt wurde, dass die neue Wohnung im vierten Stock ist, kann hier eventuell fündig werden.

So gut sich viele Sharing-Konzepte anhören, gibt es jedoch auch Schattenseiten, wie auch das Umweltbundesamt zu bedenken gibt: "Einige Modelle ersetzen bereits jetzt mehr oder weniger stabile, im Idealfall tariflich oder doch wenigstens mit dem Mindestlohn bezahlte Arbeitsplätze". Zudem bestehe das Risiko, dass es weniger Kontrollmöglichkeiten für eine öffentliche Aufsicht gebe - "auch was Umwelt-Anforderungen betrifft".

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